Future Skills in Studium und Beschäftigung
Forschungsprojekt Future Skills in Studium und Beschäftigung
Projektleitung
Prof. Dr. Andreas Frey
Dr. Silke Seyffer
Projektmitarbeiter/-innen
Nathanael Opitz
Jan von Ahsen
Philipp Frey
Externe Partner
Eric Bühler (SFB)
Dr. Jean-Jacques Ruppert (AVOPP)
Projektzeitraum
November 2023 – Oktober 2027
Kooperationspartner
SFB – Höhere Fachschule für Technologie und Management, Schweiz
AVOPP – Applied Vocational Psychology and Policy Research Unit, Luxemburg
Projektbeschreibung
Das Forschungsprojekt „Future Skills in Studium und Beschäftigung“ untersucht digitale und klassische Schlüsselkompetenzen in Beratung, Vermittlung und Studium im Kontext einer sich wandelnden Arbeitswelt.
Diese Future Skills sind dabei definiert als Kompetenzen, die es Individuen erlauben in komplexen Organisations- und Praxiskontexten selbstorganisiert handlungsfähig zu sein (Ehlers, 2020). Damit sind Future Skills im eigentlichen Sinne Kompetenzen (Ulrich, Wiench, Frey & Ruppert, 2020), die in Studien- und Weiterbildungsprozessen eingebettet sind und auf Persönlichkeitsentwicklung und Beruflichkeit jeglicher Art hinzielen (Ertelt, Frey, Hochmuth, Ruppert & Seyffer, 2021).
Werden Future Skills in den Kontext der Beratung und Vermittlung der Bundesagentur für Arbeit transformiert, so zeigen sich insbesondere Anforderungen in den Bereichen digitale Grundkompetenz, digitales Lernen, digitale Interaktion, digitale Kollaboration und Resilienz. Diese Schlüsselkompetenzen befähigen Beratungs- und Vermittlungsfachkräfte, in neu auftretenden und komplexen Beratungs- und Praxiskontexten (etwa im Zusammenhang mit den Zukunftsthemen Entwicklung der Berufe, digitale Beratung, digitale Weiterbildung und Arbeit 4.0) selbstorganisiert und handlungsfähig zu sein (Freiling, Conrads, Müller-Osten, Porath, 2021; Frey & Grill, 2012). Wird in der Folge davon ausgegangen, dass ein nicht geringfügiger Teil der Beratungs- und Vermittlungsfachkräfte sowohl bei den digitalen und klassischen Schlüsselkompetenzen, bei den Zukunftsthemen als auch beim Transfer der Kompetenzen und Zukunftsthemen in die Beratungssituation einen Lern- und Entwicklungsbedarf sehen, so müssen die Bildungsprozesse als Ganzes in den Blick genommen werden. Die Beratungskompetenz als Bezugspunkt integriert dabei immer Bestände von Wissen, Fähigkeiten und Haltungen in ein komplexes Gefüge, das in einer Beratungssituation ihren Ausdruck findet (Ertelt, Schulz & Frey, 2022).
Fragestellung
Die (digitale) Beratung und Vermittlung von Kundinnen und Kunden ist eine zentrale Aufgabe von Beratungs- und Vermittlungsfachkräften in der BA. In Anlehnung an den aktuellen Stand der Forschung zu digitalen und klassischen Schlüsselkompetenzen im Rahmen des Themenfeldes Arbeit 4.0 ist davon auszugehen, dass in besonderem Maße der Beratungs- und Vermittlungskontext und die entsprechenden Handlungskompetenzen von Veränderungen geprägt sein werden. In diesem Forschungs- und Entwicklungsprojekt geht es um die Modellierung und Erhebung digitaler und klassischer Schlüsselkompetenzen zur Gestaltung von Beratungs- und Vermittlungssettings mit Kundinnen und Kunden in einer sich verändernden Arbeitswelt.
Die Forschungsfragen lauten:
- Welche digitalen und klassischen Schlüsselkompetenzen werden von Studierenden der HdBA sowie Beratungs- und Vermittlungsfachkräften in der Berufspraxis in Beratungssituationen angewendet?
- Welche Rolle spielen Zukunftsthemen (wie z.B. Digitalisierung, Automation, Fachkräftesicherung, Klimaschutz, Veränderung von Berufen) in Beratungssituationen?
- Wie können Future Skills gezielt in Studien- und Weiterbildungsprozessen sowie am Arbeitsplatz gefördert werden?
Ergebnisse
Um die Frage nach der Anwendung von digitalen und klassischen Schlüsselkompetenzen und auf Zukunftsthemen bezogenes Wissen beantworten zu können, wird ein Fragebogen zu Schlüsselkompetenzen (Balzer & Frey, 2023), zu Problemlöse-Strategien und ein Fragebogen zum Informationsmanagement (Ertelt, Schulz & Frey, 2022) bei ca. 400 Studierenden und 200 Berufsberater/innen und Vermittler/innen in Deutschland und der Schweiz eingesetzt.
Aktueller Stand des Projekts und Ausblick zum weiteren Vorgehen
Die Datenerhebungen wurden planmäßig in mehreren Phasen realisiert und erste Auswertungen liegen vor. Auf Basis des ursprünglich vorgesehenen Designs (ca. 400 Studierende sowie 200 Berufsberaterinnen und -berater in Deutschland und der Schweiz) wurde BA-intern die Befragung deutlich ausgeweitet: Insgesamt nahmen 2.600 Berufsberaterinnen und -berater teil. Erfasst wurden unter anderem digitale Grundkompetenzen, digitales Lernen, digitale Interaktion und digitale Kollaboration sowie Präferenzen und Bedarfe zu Weiterbildungsformaten und -themen. Darüber hinaus wurden Einschätzungen zur eigenen Kompetenzentwicklung erfragt.
Im weiteren Projektverlauf werden die Perspektiven von Studierenden, Auszubildenden und Personalverantwortlichen von Ausbildungsbetrieben einbezogen, um die Erkenntnisse für die Beratungspraxis zu vertiefen. Hierzu werden ebenfalls Online-Befragungen durchgeführt, mit dem Ziel, die Bedeutung von Future Skills in den Zielgruppen sichtbar zu machen und abzuleiten. Studierende und Auszubildende geben dazu Selbsteinschätzungen ab; Betriebe beurteilen die Relevanz aus Praxissicht. Parallel werden Formate für den Wissenstransfer (Kurzberichte, Workshops) vorbereitet und die Weiterentwicklung von Studien- und Weiterbildungsangeboten geprüft.
Stand: Oktober 2025
Literatur
- Ehlers, U.-D. (2020). Future Skills. Lernen der Zukunft – Hochschule der Zukunft. Berlin: Springer.
- Ertelt, B.-J. Frey, A., Hochmuth, M., Ruppert, J.J. & Seyffer, S. (2021). Apprenticeships as a Unique Shaping Field for the Development of an Individual Future-Oriented “Vocationality”. Sustainability, 13(4), 2279 (1-14).
- Ertelt, B.-J., Schulz, W.E. & Frey, A. (2022). Councellor Competencies. Developing Counselling Skills for Education, Career ans Occupation. Basel: Springer Nature.
- Freiling, T., Conrads, R., Müller-Osten, A. & Porath, J. (Hrsg.).(2021). Zukünftige Arbeitswelten. Facetten guter Arbeit, beruflicher Qualifizierung und sozialer Sicherung. Berlin: Springer Nature.
- Frey, A.; Frey, P. & Balzer, L. (2025). Selbstkonzepte eigener Fähigkeiten. Der Fragebogen zu sozialen, methodischen und personalen Kompetenzen. Mannheim und Schwerin: HdBA.
- Frey, A. & Grill, J. (2012). Der Arbeitsunternehmer. Bad Homburg: Verlag für Akademische Schriften.
- Frey, A., & Ruppert, J.-J. (2017). Diagnosis of Transferable Competences of Young People in the Dual Vocational Education – A German Perspective. Psychology, 8, 1546-1569.
- Ulrich, A., Wiench, N., Frey, A. & Ruppert, J.-J. (2020). Gelingenskompetenzen in der dualen Ausbildung. Welche Kompetenzen können als Bewältigungsressource in der dualen Berufsausbildung bei Jugendlichen herangezogen werden? In T. Freiling, R. Conrads, A. Müller-Osten & J. Porath (Hrsg.), Zukünftige Arbeitswelten. Facetten guter Arbeit, beruflicher Qualifizierung und sozialer Sicherung (S. 179-203). Berlin: Springer Nature.