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Tag der Grundsicherung am 21. Juli 2014 an der HdBA in Schwerin

Am Tag der Grundsicherung bekommen die Studierenden Einblick in die Praxis. Bereits zum dritten Mal fand in Kooperation mit der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit an der HdBA am Campus Schwerin der Tag der Grundsicherung statt. Ehemalige berichteten unter anderem, was auf sie beim Start zugekommen ist.

Unter dem Leitgedanken "Langzeitarbeitslosigkeit und Berufliche Bildung" fand am 21. Juli ein "Tag der Grundsicherung" an der Hochschule der BA in Schwerin statt. Eingeladen waren 230 Studierende der Einstellungsjahrgänge 2011 und 2013. Deren Interesse an dem Thema SGB II ist naturgemäß hoch, werden diese doch nach Ihrem Studium überwiegend ihren ersten Ansatz in der Grundsicherung finden. Der überwiegende Teil des diesjährigen Prüfungsjahrgangs wird als Arbeitsvermittlerinnen und Arbeitsvermittler im Norden bzw. Osten der Republik eingesetzt, so dass von dieser Seite ein natürliches Interesse an Themen rund um die Grundsicherung besteht.

 

Prof. Dr. Eyko Ewers eröffnete die Tagung und stieg mit dem Begriff der "Ambiguitätstoleranz" als Kernkompetenz insbesondere für die in der Grundsicherung tätigen Integrationsfachkräfte in das Thema ein. Die Fähigkeit, auf empathische Weise andere Sicht und Lebensentwürfe zu akzeptieren und mit deren Widersprüchlichkeiten umzugehen wurde als roter Faden von einigen Nachrednerinnen und Nachrednern aufgenommen und als grundlegende Kompetenz von SGB II-Fachkräften identifiziert.

 

Jürgen Goecke, Geschäftsführer Beteiligungsmanagement in der Zentrale, referierte über Ziele und Herausforderungen 2015 in der Grundsicherung. An die anwesenden Studierenden gerichtet, warb er für den SGB II-Bereich als lohnendes Tätigkeitsfeld, da die Arbeit mit dem heterogenen und besonderen Personenkreis spannende Herausforderungen birgt und in der Folge besondere Erfolgserlebnisse mit sich bringt.

 

Dr. Stephan Brunow plädierte in seinen Ausführungen zum Themenkomplex Fachkräftesicherung und Langzeitarbeitslosigkeit aufgrund des demografischen Wandels insbesondere dafür alle "Ressourcen" möglichst effizient einzusetzen. Hier geht es aus seiner Sicht insbesondere um Alleinerziehende, Migrantinnen und Migranten, Jüngere und Ältere sowie Langzeitarbeitslose. Hier sollten besondere Ansätze und Instrumente entwickelt werden, um diese in den Arbeitsmarkt integrieren zu können.

 

In fünf Foren wurde zur aktiven Teilnahme und Diskussion eingeladen. Forum 1, geleitet von Ellen Brümmer, Regionaldirektion Nord, widmete sich dem Thema der im SGB II nutzbaren Arbeitsmarktinstrumente. Die Studierenden erfuhren hierbei etwas über Lösungsstrategien, um als Integrationsfachkräfte entsprechende Handlungsbedarfe (4PM) bei Kunden zu bearbeiten.

 

Andrea Schröther von der Zentrale der BA informierte in Forum 2 über die dreijährige seitens BMAS und BA initiierte (doppelsinnige) Kampagne "AusBILDUNG wird was". Ziel ist es, binnen drei Jahren 100.000 junge Erwachsene zwischen 25 und 35 Jahren mit einer berufsabschlussorientierten Qualifizierung zu versorgen. Dies könnte mittels einer betrieblichen Ausbildung, betriebliche oder trägerorientierten Umschulung bewerkstelligt werden.

 

Forum 3 stellte das Thema "Anspruch an das Personal aus Arbeitgebersicht" in den Fokus. Den Studierenden sollte die Möglichkeit eines Perspektivenwechsels gegeben werden, indem die Firmen Randstad und Nestlé ihre Anforderungen an zukünftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darstellten. Sandra Heinigen und Jens Eichhorn als Vertreter von Randstad stellten sich als bundesweit mit 500 Filialen tätiges Personaldienstleistungsunternehmen vor. Dieses gilt als wichtiger Kooperationspartner für Arbeitsagenturen bzw. Jobcenter.
Das Unternehmen Nestlé hat 2013 am HdBA Standort Schwerin eine Produktionsstätte mit einem Personalbedarf von 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Betrieb genommen. Die Bewältigung dieser logistischen Herkulesaufgabe wurde seitens Birte Harder den angehenden BA-Fachkräften plastisch vor Augen geführt.

 

Forum 4 beinhaltete einen Beitrag "aus der Praxis" hinsichtlich innovativer Ansätze in der berufsabschlussorientierten Bildung. Volker Tollkühn vom Bildungsdienstleister Werkstatt Frankfurt/Main stellte ein mit Jobcenter und IHK/HWK entwickeltes Projekt vor. Der "Frankfurt Weg" ist Preisträger des Innovationspreises Weiterbildung des BIBB. Langzeitarbeitslose im Alter von 25-45 Jahren wurden seit 2005 in 13 Berufen qualifiziert und in eigenen Betriebsstätten mittels eines modularen Ansatzes zu einem Berufsabschluss geführt.

 

Im Forum 5 ging es um das in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierte Thema der Sanktionen. Die Herausforderung von "Beratungen im Sanktionskontext" wurde von Dr. Bettina Weinreich und Arne Wagner (HdBA) mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern intensiv diskutiert. Auch das Thema eines kürzlich veröffentlichten Artikels mit der Überschrift "Keine Leistungen für Terminschwänzer!?" wurde seitens der Moderatorin und des Moderators zur Diskussion freigegeben. Hierzu gab es erwartungsgemäß eine Fülle von Wortmeldungen und unterschiedliche Standpunkte.

 

Im Anschluss wohnten die Studierenden einer von Stefan Janssen (Landtag Mecklenburg-Vorpommern) moderierten Podiumsdiskussion mit fünf Absolventen der HdBA der Abschlussjahrgänge 2012 und 2013, die nun in der Grundsicherung tätig sind, bei. Deike Ennen-Hansing, Stefanie Hennig, Sebastian Koplin, Steffen Pogodzik und Martin Ringel berichteten über Ihre Erfahrungen als Arbeitsvermittlerin und Arbeitsvermittler bzw. Sachbearbeiterin und Sachbearbeiter in der Grundsicherung. Sie erzählten über potenzielle Herausforderungen, gaben Tipps für den beruflichen Einstieg und berichteten von ihrer täglichen Arbeit.

 

Im Anschluss an die Diskussionsrunde informierte Volker Kath von der Regionaldirektion Nord das Plenum über aktuelle Entwicklungen aus dem Personalbereich. Unter anderem warb er, wie auch andere Referentinnen und Referenten vor ihm für die Attraktivität des "Arbeitsplatzes SGB II".

 

Zum Abschluss der Veranstaltung dankte der Rektor der Hochschule Prof. Dr. Andreas Frey den Teilnehmerinnen und Teilnehmern und Referentinnen und Referenten für Ihre engagierten und hochwertigen Beiträge. Das Thema Grundsicherung besitzt einen hohen Stellenwert in der BA. Die HdBA stellt sich ihrerseits der Aufgabe, Kenntnisse und Kompetenzen der Studierenden auf eine spätere Tätigkeit im SGB II-Bereich auszurichten und die künftigen Fachkräfte auf die Herausforderungen eines Arbeitslebens, sei es in SGB II oder III, vorzubereiten.