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Betrieblicher Umgang mit belastender Arbeit. Gestaltungsansätze aus Beschäftigtensicht (babs) 2014-2016

Projektteam
Prof. Dr. Sebastian Brandl & Diplompolitologe Bernhard Stelzl

 
Drittmittelgeber
Hans-Böckler-Stiftung, Projektnummer: 2014-711-4

 

Das Projekt befasste sich exemplarisch damit, wie mit Ergebnissen von Beschäftigtenbefragungen im Betrieb umgegangen wurde. Vor dem Hintergrund von Restrukturierungen, Personalabbau, Alterung der Belegschaften und Fachkräftesicherung sollte geklärt werden, welche Rolle die erhobene Beschäftigtenmeinung zur Arbeitsqualität im Weiteren spielte. Ferner sollten unscharfe Befragungsergebnisse geklärt werden.


Kontext
In überbetrieblichen, repräsentativen Beschäftigtenbefragungen wird wiederholt ein teils hohes Anforderungsniveau, eine deutliche Diskrepanz zwischen gewünschter und erlebter Arbeitsqualität oder eine geringe Jobzufriedenheit in Deutschland festgestellt. Zugleich wird darauf verwiesen, dass differenzierte Analysen auf Betriebsebene zum Umgang mit Belastungsquellen nur begrenzt vorlägen. Auch in Betrieben und Verwaltungen kommen Mitarbeiter- und von Betriebs- oder Personalratsseite initiierte Beschäftigtenbefragungen zum Einsatz. Weitgehend offen ist aber, wie die betrieblichen Akteure mit den Ergebnissen der Befragungen umgehen, welche Rolle die Beschäftigten bei der Ableitung von Maßnahmen spielen und ob die Intention, Beschäftigte über die Befragung hinaus zu beteiligen, umgesetzt wurde. 

 
Fragestellung
Das Projekt ging dem Umgang der arbeitspolitischen Akteure im Betrieb mit Befragungsergebnissen und der Rolle der Beschäftigten in diesem Prozess nach. Das Projekt fragte danach,

  • welche Schlüsse von der Geschäftsführung/Personalleitung und vom Personalrat aus den Befragungsergebnissen gezogen wurden,
  • welche Maßnahmen eingeleitet und wie die Beschäftigten dabei eingebunden wurden,
  • wie die Beschäftigten die Problemangemessenheit der Maßnahmen einschätzten.

 
Im Mittelpunkt stand die (vergleichende) Analyse der Folgeprozesse betrieblicher Befragungen zur Arbeitsqualität, nicht die in den Betrieben von den Arbeitgebern oder den Interessenvertretungen angewendeten Instrumente selbst. Folgeprozesse von Befragungen werden weder in der Literatur noch in der Praxis eindeutig definiert. Letztlich können darunter alle Aktivitäten gefasst werden, die in Zusammenhang mit der Beschäftigtenbefragung im Betrieb stehen.


Methoden
Das Projekt ging den Fragen exemplarisch in drei Betrieben des öffentlichen Diensts nach. In diesen Betrieben konnte an teils wiederholte Beschäftigtenbefragungen und an personalrätliche initiierte Gute Arbeit-Befragungen angeknüpft werden. Diese Betriebe waren, ähnlich dem öffentlichen Dienst insgesamt, gekennzeichnet durch Personalabbau, Alterung und Restrukturierungen. Mittels mehrstufiger qualitativer Betriebsfallstudien wurden die Folgeprozesse der Befragungen erhoben. Nach der vorgelagerten Analyse betrieblicher Dokumente zum Fallgeschehen wurden Experteninterviews sowie problemzentrierte Interviews mit Beschäftigten durchgeführt. Nach deren Auswertung folgten Fokusgruppenworkshops. Hinzu kamen Experteninterviews und Workshops mit der den personalrätlichen Befragungsprozess begleitenden gewerkschaftlichen Branchengruppe.


Ergebnisse
Die Personalräte konnten mit den von ihnen initiierten Befragungen Impulse zur Verbesserung der Arbeitsqualität setzen (Gesundheitsmanagement) und die betriebliche Modernisierung mit einer Gestaltungsperspektive von Arbeit verbinden (neue Führungsformate, Personalaufwuchs). In den Verhandlungen erlangten die Befragungsergebnisse ein eigenständiges argumentatives Gewicht, dem sich alle Akteure nicht entziehen konnten. Als essentiell im Befragungsprozess hat sich die externe Unterstützung (Ressourcen, Know-How) erwiesen.

 
In den Interviews wurde offensichtlich, dass einige Themen der Befragungen von Beschäftigten anders verstanden wurden als intendiert. Die systematische Vertiefung unklarer Befragungsergebnisse, wie mittels der im Projekt durchgeführten Fokusgruppen, erwies sich jedoch als notwendig, um Probleme erfassen und adäquate Maßnahmen konzipieren zu können. Für den Ausbau solcher Partizipationsmöglichkeiten sind Hilfestellungen von außen notwendig. Problematisch hierbei könnte sein, dass die Arbeitsverdichtung zu einer abnehmenden Bereitschaft führte, sich im Betrieb zu engagieren. Im Gegenteil, eine sich von anderen abgrenzende Selbstoptimierung war eine beobachtbare Folge.

 
Veröffentlichungen
siehe: www.hdba.de/hochschule/organisation/lehrende/profil-brandl/veroeffentlichungen-brandl/