Professor umringt von seinen Studierenden
Forschung

Qualitative Evaluation des Projekts „Berufsorientierung an Förderschulen stärken“ (BO FöS)

Forschungsprojekt „Berufsorientierung an Förderschulen stärken“ (BO FöS)

Projektleitung
Prof. Dr. Matthias Kohl 
Prof. Dr. Jane Porath 

Projektmitarbeitender 
Kevin Huhs 

Studentische Hilfskraft 
Charleen-Vanessa Franik 

Projektzeitraum 
Januar 2026 – Dezember 2028

Hintergrund des Projektes

Der Übergang von der Schule in Beruf und Ausbildung ist eine prägende Phase im Leben junger Menschen. Besonders für Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist diese Phase häufig mit zusätzlichen Herausforderungen verbunden. Neben den individuellen Unterstützungsnotwendigkeiten spielen auch strukturelle Herausforderungen eine Rolle bei der beruflichen Orientierung und beim Zugang zu möglichen Ausbildungsplätzen.

Vor diesem Hintergrund verfolgt die Bundesagentur für Arbeit das Ziel, mit dem Projekt „Berufsorientierung an Förderschulen stärken“ früher im Bildungsweg der Schüler*innen mit Förderbedarfen anzusetzen. Ziel ist es, bestehende Ansätze der beruflichen Beratung und Orientierung dieser Personengruppe systematisch weiterzuentwickeln und stärker an den spezifischen Bedarfen der Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf auszurichten.

Im Kern sollen im Projekt hierfür Elemente des Verfahrens der Berufsberatung vor dem Erwerbsleben (BBvE) adaptiert und eine deutlich frühere und intensivere Berufsorientierung umgesetzt werden. Die Berufsorientierungsangebote sollen bereits ab der Vor-Vor-Entlassklasse beginnen und über mehrere Schuljahre hinweg erfolgen. Ergänzend dazu werden individuelle Beratungsgespräche mit Reha-Berater*innen angeboten sowie die Eltern und Erziehungsberechtigten stärker in den Berufsorientierungsprozess einbezogen. Die Maßnahmen umfassen regelmäßige Berufsorientierungsveranstaltungen, Informationsangebote zu Berufsfeldern und Ausbildungswegen sowie Aktivitäten zur Erkundung der Arbeitswelt, beispielsweise im Berufsinformationszentrum (BiZ) oder durch interaktive Methoden. Zusätzlich werden auch neue methodische Ansätze, wie z. B. die Integration haptischer Elemente, im Rahmen des Projekts erprobt. So können Berufsorientierungsveranstaltungen praktischer und gegenständlicher gestaltet und berufliche Interessen spielerisch mit Figuren und Klemmbausteinen erkundet werden.

Die Umsetzung erfolgt schrittweise im Rahmen eines mehrstufigen Vorhabens. In einer ersten Erprobungsphase wurde das Konzept seit Herbst 2025 zunächst in ausgewählten Arbeitsagenturen und Förderschulen getestet. Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse dient die laufende Pilotierungsphase dazu, eine evidenzbasierte Entscheidungsgrundlage für die flächendeckende Einführung zu liefern. Dazu wird die Pilotierung durch den zuständigen Fachbereich (KPI 2) in der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit sowie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sowie die HdBA begleitet. Die HdBA übernimmt hierbei die qualitative Evaluation.

Ziel des Forschungsprojekts

Ziel der qualitativen Evaluation durch die HdBA ist, zu erfassen, ob der erweiterte Dienstleistungsumfang zu einer verbesserten beruflichen Orientierung führt – etwa durch realistische Zielsetzungen, erweiterte Alternativen bzw. eine erhöhte Selbstwirksamkeit. Geplant ist die Evaluation in 18 ausgewählten Treatmentschulen (eine Förderschule je beteiligte Arbeitsagentur), zwei weiterführenden beruflichen Schulen bzw. reha-spezifische Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen sowie drei Kontrollschulen. Zu drei Messzeitpunkten (Herbst 2026, Frühjahr 2027 und Frühjahr 2028) werden Interviews mit allen beteiligten Personengruppen geführt. Durch diesen 360-Grad-Blick und unter Berücksichtigung aller Förderschwerpunkte soll die Wirkung zu folgenden Aspekten untersucht werden:

A. Implementierung und Prozesse: konkrete Umsetzung und Umsetzungstreue, organisatorische Rahmenbedingungen, Herausforderungen und Gelingensbedingungen, Kooperation
B. Akzeptanz und Passung: Zufriedenheit, wahrgenommene Relevanz, Teilnahmebereitschaft durch Schüler*innen, Eltern, Reha-Berater*innen, Lehrkräfte
C. Subjektive Wirkungen: wahrgenommene subjektive Veränderungen in der eigenen Orientierung und Berufswahlklarheit, Selbstkonzept, Informiertheit

Die Ergebnisse der Untersuchungen sollen dazu beitragen, Erfolgsfaktoren und Herausforderungen der erweiterten Berufsorientierung zu identifizieren, Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Unterstützungsangebote abzuleiten und individuelle Wirkungen sichtbar zu machen. Zusammen mit den Erkenntnissen des Fachbereichs (KPI 2) und der Wirkungsforschung des IAB soll so die Grundlage für eine evidenzbasierte Entscheidung über die Flächeneinführung geschaffen werden.

Methodisches Vorgehen

Die qualitative Evaluation basiert auf Interviews mit allen beteiligten Akteursgruppen:

  • Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf, wobei möglichst alle Förderschwerpunkte vertreten sein sollen,
  • Eltern und Erziehungsberechtigten,
  • Lehrkräfte an Förderschulen,
  • Reha-Berater*innen der Bundesagentur für Arbeit
  • und ggf. weitere Akteur*innen, z. B. aus Betrieben.

Die Interviews sind teilstandardisiert und leitfadengestützt.
Mit den Schüler*innen, insbesondere im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung (gE) sind haptisch-narrative Interviews geplant. Hierbei sollen Bildkarten, Klemmbausteine, Smileys oder Timeline-Methoden zur niedrigschwelligen Erfassung subjektiver Orientierung zum Einsatz kommen.