Selbstreflexion und Emotionsregulierung im Beratungsprozess
Selbstreflexion und Emotionsregulierung im Beratungsprozess - Eine empirische Fallanalyse am Beispiel von Beratung und Vermittlung in der Agentur für Arbeit
Projektleitung
Prof. Dr. Clinton Enoch und Prof. Dr. Juliane Fuge
Projektlaufzeit
Juni 2026 – September 2028
Projektbeschreibung
Zielsetzung
Das Forschungsprojekt untersucht die Bedeutung von Selbstreflexion und Emotionsregulierung in Beratungs- und Vermittlungsgesprächen im Rechtskreis SGB III. Im Zentrum steht die Frage, wie Selbstreflexion in der Beratung kommunikativ sichtbar wird, welche Funktion sie im Aufbau vertrauensvoller Arbeitsbeziehungen erfüllt und wie sie sich auf die Emotionsregulierung, Selbstwahrnehmung und Kooperationsbereitschaft von Kundinnen und Kunden auswirkt. Ziel ist es, die zugrunde liegenden Wirkmechanismen empirisch zu rekonstruieren und daraus Impulse für die beratungswissenschaftliche Theoriebildung sowie für die Professionalisierung von Beratungsfachkräften abzuleiten.
Ausgangslage und Relevanz
Professionelle Beratung erschöpft sich nicht in der Bearbeitung sachlicher Anliegen. Gerade in komplexen berufsbezogenen Vermittlungs- und Beratungssituationen spielen Beziehungsgestaltung, emotionale Dynamiken und reflexive Prozesse eine zentrale Rolle. Während Selbstreflexion in der Beratungswissenschaft als bedeutsame Ressource professionellen Handelns gilt, fehlt bislang insbesondere für institutionelle Kontexte der Berufs- und Bildungsberatung eine empirisch fundierte Konzeptualisierung. Das Projekt greift diese Forschungslücke auf. Es baut auf der Annahme auf, dass vertrauenswürdig erlebte, emotional resonante Arbeitsbeziehungen sowie eine reflexionsfördernde Kommunikation die Selbstwahrnehmung und Emotionsregulierung der Kundinnen und Kunden stärken und damit zu einer nachhaltigeren, kundenorientierten Beratung beitragen. Damit adressiert das Vorhaben ein zentrales Zukunftsthema der Bundesagentur für Arbeit: die wissenschaftlich fundierte Weiterentwicklung professioneller und kundenorientierter Beratung.
Methodik
Theoretisch verbindet das Projekt Annahmen der Mentalisierungs- und Bindungstheorie, der Emotionsforschung, der Entwicklungspsychologie sowie der erwachsenenpädagogischen Beratungsforschung. Methodisch ist es in der qualitativen, prozess- und gesprächsanalytischen Beratungsforschung verortet. Analysiert werden rund 40 Beratungs- und Vermittlungsgespräche, teilweise ergänzt durch Videoaufnahmen. Die Auswertung erfolgt mittels sequenzieller Gesprächs- und Interaktionsanalyse, um kommunikative Muster und Prozesse sichtbar zu machen, in denen Selbstreflexion und Emotionsregulierung im Beratungsgeschehen empirisch fassbar werden.
Antizipierte Ergebnisse
Erwartet werden differenzierte Einsichten in die Ausdrucksformen, Bedingungen und Wirkungen von Selbstreflexion in Beratungsgesprächen. Das Projekt soll aufzeigen, wie selbstreflexive Praktiken der Beratungsperson die Beziehungsqualität, die Kooperation, Mitwirkung und emotionale Selbstregulation der Kundinnen und Kunden beeinflussen. Die Ergebnisse sollen eine empirisch fundierte Grundlage für die Weiterentwicklung beratungswissenschaftlicher Theorie bieten und zugleich Anknüpfungs-punkte für die Aus- und Weiterbildung von Beratungsfachkräften an der HdBA und in der Bundesagentur für Arbeit schaffen.