Professor umringt von seinen Studierenden
Forschung

Critical Incidents in Beratungssituationen

Critical Incidents in Beratungssituationen mit Menschen mit körperlichen, geistigen und psychischen Erkrankungen und Behinderungen

Projektleitung
Prof. Dr. Gwenn Hiller, Prof. Dr. Silvia Keller

Projektlaufzeit
2022 - 2026

Projektbeschreibung

1. Zielsetzung des Lehr- und Forschungsprojekts

„Eine Frage der Perspektive 3“ ist ein Forschungs- und Transferprojekt der HdBA, das kritische Ereignisse in Beratungssituationen mit Menschen mit körperlichen, psychischen und kognitiven Einschränkungen untersucht. Ziel ist es, komplexe Beratungssituationen aus der Praxis sichtbar zu machen, mehrperspektivisch zu analysieren und für die Professionalisierung der Beratungsarbeit in der Bundesagentur für Arbeit und den Jobcentern nutzbar zu machen.

Das Projekt verfolgt drei zentrale Ziele:

  • Erhebung kritischer Vorfälle aus der Beratungspraxis im Kontext Behinderung und Erkrankung (körperliche, geistige, psychische und Sinnesbeeinträchtigungen)
  • Mehrperspektivische Analyse mittels des D‑P‑S‑I‑Modells (Diversity, Person, Situation, Institution).
  • Transfer in Qualifizierung und Organisation, u. a. durch Fallmaterialien, Poster mit Augmented Reality und Reflexionsimpulse.

2. Ausgangslage und Relevanz

Beratungskräfte stehen zunehmend vor herausfordernden Gesprächssituationen, die geprägt sind von sprachlichen Barrieren, Traumatisierungen, kulturellen Missverständnissen und institutionellen Grenzen. Menschen mit Erkrankungen und Behinderungen gehören dabei zu einer besonders vulnerablen Zielgruppe. Die Critical-Incident-Methode (CIT) bietet einen systematischen Rahmen, solche Situationen zu erfassen und zu reflektieren.

3. Methodik

Das Material basiert auf Forschungsarbeiten von Studierenden, die durch problemzentrierte Interviews (Witzel 2000) relevante Vorfälle aus Arbeitskontexten zu diversitätsbezogenen Herausforderungen in der Arbeitsvermittlung und Beratung erhoben haben. Die ausgewählten Reha Fälle wurden sprachlich überarbeitet, fachlich diskutiert und anschließend nach den Kriterien Repräsentativität und Erkenntnispotenzial bewertet. In einem zweiten Erhebungsverfahren interpretierten (Reha ) Beratungsexpert:innen sowie Menschen mit Behinderungen die Fälle, um unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und damit das didaktische Ziel der Perspektivenreflexion zu unterstützen.

4. Ergebnisse

„Eine Frage der Perspektive 3“ verbindet wissenschaftliche Analyse mit unmittelbarem 

Praxisnutzen. Durch die Untersuchung realer kritischer Vorfälle trägt das Projekt wesentlich zur Professionalisierung der Beratung, zur Förderung inklusiver Strukturen und zur Stärkung der Handlungssicherheit von Fachkräften im BA-/JC-Kontext bei. Das Projekt liefert wichtige Impulse für:

  • Qualifizierung: Schärfung von Diversity‑, Kommunikations‑ und Selbstfürsorgekompetenzen.
  • Organisation: Verbesserung von Teamreflexion, Fallverständnis und Umgang mit komplexen Beratungssettings.
  • Forschung & Lehre: Bereitstellung realistischer, multiperspektivischer Fälle für Ausbildung, Inhouse-Trainings und Praxisforschung.

Die Ergebnisse werden in einer Fachpublikation „Eine Frage der Perspektive 3“, Critical Incidents in der Beratung mit Menschen mit Behinderungen und körperlichen und seelischen Erkrankungen (Arbeitstitel)“ 2026 veröffentlicht. Dabei handelt es sich um die Fortsetzung einer Reihe zum Themenfeld Critical Incidents in der Beratung. Der Band wird bewusst nicht als wissenschaftliche Publikation, sondern als Handreichung zum Selbststudium für Berater:innen und Vermittler:innen oder auch als Trainingsmanual, das bei Fortbildungen eingesetzt werden kann, konzipiert.

Das Forschungsvorhaben wird durch Ursula Meyer (Lektorat und operatives Management) und Katharina Neubert (Grafik und Design) unterstützt.