10 Jahre Inklusionspreis für die Wirtschaft
10 Jahre Inklusionspreis für die Wirtschaft – Eine empirische Auswertung zur betrieblichen Inklusion in Deutschland
Projektleitung
Prof. Dr. Silvia Keller
Projektbeteiligte
Birgit Eiber, Leiterin der Stabsstelle Inklusion und Inklusionsbeauftragte der Bundesagentur für Arbeit
Projektlaufzeit
Dezember 2025 – Mai 2026
Projektbeschreibung
1. Zielsetzung des Forschungsvorhabens
Ziel des Projekts ist es, auf Basis der Bewerbungsunterlagen zum Inklusionspreis für die Wirtschaft systematisch zu untersuchen, wie Unternehmen in Deutschland betriebliche Inklusion umsetzen. Die Analyse soll Muster, Entwicklungslinien und Good-Practice-Beispiele identifizieren und Impulse für die Weiterentwicklung inklusiver Arbeitsmarktstrategien liefern.
Die Initiative des geplanten Forschungsvorhabens geht auf Birgit Eiber, Inklusionsbeauftragte der Bundesagentur für Arbeit, zurück. Es handelt sich um ein gemeinsames Forschungsanliegen mit der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit.
2. Ausgangssituation und Relevanz
Der „Inklusionspreis für die Wirtschaft“ wurde seit 2012 in zehn Bewerbungsrunden an Unternehmen verliehen, die sich vorbildlich für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen einsetzen. Die Preisvergabe erfolgt in den Kategorien kleines, mittleres und großes Unternehmen, teils ergänzt um einen Sonderpreis für nicht beschäftigungspflichtige Betriebe.
Die Jury setzt sich zusammen aus dem Bundesbehindertenbeauftragten, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Expertinnen und Experten in eigener Sache, der Charta der Vielfalt, Preisträger der vorangegangenen Bewerbungsrunde, der Bundesagentur für Arbeit, sowie des UnternehmensForums.
Jury Mitglieder berichten, dass sich das Verständnis und die Leitidee von betrieblicher Inklusion sich in der Unternehmenspraxis über die Jahre hinweg gewandelt hat. Wo zunächst vor allem gesellschaftliches Engagement als Impuls und Mehrwert betrachtet wurde, wird betriebliche Inklusion sukzessive als Business Case mit starkem unternehmerischem Mehrwert verstanden.
Die rund 200 Bewerbungen, die es in den letzten 10 Jahren in die Endrunde des Inklusionspreises der Wirtschaft geschafft haben, bieten eine bislang nicht systematisch genutzte Datengrundlage für empirische Inklusionsforschung. Das Projekt schließt damit eine Lücke zwischen Praxis und Wirtschaft.
3. Forschungsleitfragen und Untersuchungsdesign
Ausgehend von der Beobachtung der Jury lässt sich folgende übergeordnete Forschungsfragen ableiten:
- Welche Entwicklungen zu Inklusion am Arbeitsmarkt lassen sich aus den Bewerbungen um den Inklusionspreis der Wirtschaft ableiten?
Daraus ergeben sich anhand der Struktur des Datenmaterials konkrete Teilfragestellungen, die zur Beantwortung der übergeordneten Forschungsfrage herangezogen werden sollen:
- Welche Maßnahmen und Strategien zur Inklusion von Menschen mit Behinderung wurden über die Jahre dokumentiert?
- Wie wird betriebliche Inklusion im Unternehmensalltag durchgeführt und welche konkreten Arbeitsplätze und Tätigkeiten gehen Menschen mit Behinderung im Betrieb nach?
- Welche Chance, Herausforderungen und Lösungsstrategien und unterstützenden Netzwerke werden von den Unternehmen benannt?
Die Fragestellungen sollen dabei stets im Kontext weiterer Variablen, wie beispielsweise der Unternehmensgröße, der Beschäftigungsquote, der Branche, der Behinderungsarten und damit verbundenen Teilhabe- und Funktionseinschränkungen der Beschäftigten, aber auch der Nutzung von Unterstützungsmöglichkeiten und Finanzierungsmöglichkeiten betrachtet werden.
Anschließend an die Auswertung dieser Forschungsfragen ergeben sich weiterführende Fragestellungen zur Verwertung der Ergebnisse:
- Welche Beispiele können als Good Practice für den Wissenstransfer aufbereitet werden?
Ausgangspunkt für die Analysen stellen die Bewerbungsunterlagen der 20 Unternehmen dar, die es in den letzten 10 Jahren in die Endrunde für den Inklusionspreis der Wirtschaft geschafft haben (N = 200 Dokumente). Auf Basis der beschriebenen Zielsetzungen und Fragestellungen wird zunächst ein hypothetisches Modell abgeleitet auf dessen Basis eine qualitative und quantitative Dokumentenanalyse und anonymisiert durchgeführt wird.
4. Ergebnisse
Die Ergebnisse werden sowohl im Hinblick auf die jüngsten Charakteristiken gelingender Inklusion (querschnittliche Betrachtung) als auch unter Berücksichtigung der Entwicklung über die vergangenen 10 Jahre (längsschnittliche Perspektive) betrachtet.
Folgende Dokumentationen sollen den Wissenstransfer auf Basis der Projektergebnisse ermöglichen:
- Praxisbericht (PDF): Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse, Typologien und Handlungsempfehlungen für die Jury-Mitglieder und weitere Akteur*innen
- Good-Practice Factsheet (2-4 Seiten): Für Unternehmen, Hochschulen, BA und Multiplikator*innen
- Online-Fachtagung zur Präsentation und Diskussion der Ergebnisse mit Jury-Mitgliedern, Unternehmen, Hochschulen und interessierten Praktiker*innen
Das Forschungsvorhaben wird durch die OrBiS - Organisation Bildung Sozialforschung GmbH, Norheim durchgeführt.