Mannheim – Wie wichtig verständliche Sprache für gesellschaftliche Teilhabe ist, erlebten Studierende der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA) in einer besonderen Lehrveranstaltung zum Thema Leichte Sprache. Im Rahmen des Moduls „Inklusion und Teilhabe am Arbeitsleben II“, verantwortet von Prof. Dr. Silvia Keller, konnten mit Charlotte Henning und Katharina Zurek zwei engagierte Lehrbeauftragte aus der Praxis gewonnen werden.
Die Veranstaltung wurde gemeinsam von den beiden Kolleginnen vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Waiblingen gestaltet. Katharina Zurek, die ihr Studium an der HdBA vor zwei Jahren erfolgreich abgeschlossen hat, führte zunächst in das Thema ein. Bereits in ihrer Bachelorarbeit hatte sie sich intensiv mit dem Einsatz Leichter Sprache in der Beratung von Menschen mit Behinderungen beschäftigt und konnte diese wissenschaftlichen Erkenntnisse praxisnah einbringen.
Im zweiten Teil der Lehreinheit übernahm Charlotte Henning und setzte dabei eindrucksvolle Akzente. Sie vermittelte zentrale Aspekte rund ums Thema Prüfen von Texten in Leichter Sprache und stellte Fragen wie: „Was ist ein Prüfer? Was macht ein Prüfer? Und was ist wichtig beim Prüfen?“ Besonders eindrücklich war ihr persönlicher Zugang zum Thema: „Ich habe das Down-Syndrom und weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, Texte wirklich zu verstehen“, betonte sie. „Genau deshalb ist mir dieses Thema so wichtig.“
Henning konnte auf fundierte praktische Erfahrungen zurückgreifen, die sie unter anderem im Zentrum für Inklusion in Weinheim gesammelt hat. Dort absolvierte sie eine Prüferschulung und wirkte bereits bei der Überprüfung von Texten in Leichter Sprache mit.
In einer praktischen Übung übersetzten die Studierenden selbst Texte in Leichte Sprache – und stellten schnell fest, wie herausfordernd dies ist. „Die Studierenden haben gemerkt, wie anspruchsvoll es ist, verständlich zu schreiben. Gemeinsam haben wir die Ergebnisse betrachtet“, erklärte Henning. Die Begeisterung der Teilnehmenden war spürbar: Besonders beeindruckt zeigten sie sich davon, wie souverän und kompetent Charlotte Henning ihren Lehrauftrag gestaltete.
Für Henning selbst war die Veranstaltung ein bedeutender Meilenstein: „Für mich bedeutet es sehr viel, vor Studierenden zu stehen und mein Wissen weiterzugeben“, sagte sie im Anschluss. „Ich möchte immer wieder zeigen, dass Inklusion gelebt werden kann.“
Prof. Dr. Silvia Keller sieht in solchen Formaten einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Hochschullehre: „Expertinnen und Experten in eigener Sache als Lehrende einzusetzen, ist ein zentraler Bestandteil meines Lehrkonzepts, den ich seit Jahren verfolge.“ Der Einsatz von Lehrbeauftragten mit eigener Erfahrung ermögliche eine besonders authentische und nachhaltige Wissensvermittlung.
Die Veranstaltung an der HdBA unterstreicht, wie gelungene Inklusion in der Ausbildung aussehen kann: praxisnah, partizipativ und mit vielfältigen Perspektiven. Zugleich zeigt sie, welches Potenzial in der Einbindung von Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen liegt – für die Lehre ebenso wie für eine inklusive Gesellschaft insgesamt.