„Berufliche Entwicklung in Zeiten gesellschaftlicher Transformation“ – so lautete das Thema der diesjährigen Jahrestagung des Deutschen Verbandes für Bildungs- und Berufsberatung (dvb) in Verbindung mit dem Wissenschaftlichen Netzwerk Berufsorientierung (WiN BO), welche am 14. und 15. September 2026 an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg stattfand.
An beiden Tagen diskutierten über zweihundert Teilnehmende aus dem In- und Ausland über die Chancen und Gestaltungsoptionen für die Berufliche Orientierung sowie Beratung für Bildung, Beruf und Beschäftigung. Zahlreiche Vorträge, Symposien und Workshops luden zu einem regen Austausch unter den Wissenschaftlerinnen/Wissenschaftlern und Praktikerinnen/Praktikern ein.
Auch die HdBA beteiligte sich zahlreich und stellte Forschungsergebnisse aus beratungsbezogenen Projekten vor.
Prof. Dr. Jane Porath und Kevin Huhs berichteten aus ihrem Forschungsprojekt „Berufsorientierung an Förderschulen stärken“ (BO FöS), welches zu Jahresbeginn startete. Ihre qualitative Evaluation begleitet die Pilotierungsphase eines erweiterten Dienstleistungsangebots der Bundesagentur für Arbeit für Förderschulen. Zusammen mit der Zentrale der BA (KPI2) und dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) untersuchen sie, ob das neue Angebot zu einer verbesserten beruflichen Orientierung führt – etwa durch realistischere Zielsetzungen, erweiterte Alternativen und eine erhöhte Selbstwirksamkeit.
Mit der Begleitforschung zur Assistierten Ausbildung (AsA) und der qualitativ angelegten Evaluation der Berufseinstiegsbegleitung (BerEb) werden derzeit zwei weitere Angebote der BA im Übergang Schule – Beruf untersucht. Prof. Dr. Sebastian Brandl, Ian Grondey und Sven Wagner widmeten sich in ihrem Vortrag der Konzeption, Umsetzung und Wirkung individueller Begleitmaßnahmen für leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler sowie Auszubildende. Im Mittelpunkt stand die Frage, inwieweit individuelle, langfristig angelegte Begleitungen einen Beitrag zur erfolgreichen Berufseinmündung und Ausbildungsstabilisierung leisten können und inwiefern damit ein relevanter Beitrag zur Bewältigung des Fachkräftemangels im Zuge des demografischen Wandels geleistet werden kann.
Christian Sommer stellte erste Ergebnisse seines Promotionsvorhabens zum Beratungshandeln schulischer Berufsberatender mit für die Tagung spezifischer Fokussierung auf den „Einfluss von Leitungskräften auf das Beratungshandeln schulischer Berufsberatender in NRW“ vor. Auf Grundlage qualitativer Experteninterviews mit Akteuren aus Schule, Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit und kommunalem Übergangsmanagement untersucht er, wie organisationale Bedingungen und Leitungshandeln die professionellen Handlungsspielräume schulischer Berufsorientierungs- und Beratungsarbeit strukturieren. Erste Befunde weisen darauf hin, dass Führung dabei insbesondere über die Gestaltung organisationaler Rahmenbedingungen, die Absicherung professioneller Handlungsspielräume sowie die Vermittlung zwischen pädagogischen und organisationalen Anforderungen wirksam wird.
Neben der Präsentation der Projekte und Forschungsergebnisse wurde die Jahrestagung genutzt, um diese zu diskutieren, einzuordnen und daraus wertvolle weitere Impulse abzuleiten.