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Prof. Dr. Dirk Selzer

 

Forschung:

 

Forschungsschwerpunkte liegen im Bürgerlichen Recht, im Deutschen und Europäischen Arbeitsrecht einschließlich des Arbeitsgerichtlichen Verfahrens sowie im Sozialversicherungsrecht.

In dem der Grundlagenforschung im Leistungsstörungsrecht zuzuordnenden Werk „Pflichtverletzung im Leistungsstörungsrecht“ entwickelt Prof. Dr. Selzer ausgehend von § 280 Abs. 1 BGB einzelne Elemente, die der Tatbestand der Pflichtverletzung voraussetzt: Verhalten, Verletzung, Zurechnung. Seine Erkenntnisse folgen der konsequenten Anwendung des Verschuldensprinzips als Regelhaftungsprinzip. Die vor der Verschuldensprüfung notwendige Prüfung von Pflichtverletzung und Rechtswidrigkeit enthält eine Bewertung von Verhaltensweisen als Unrecht. Diese steht im Gegensatz zur Garantiehaftung als gesetzliches Ausnahmeprinzip, für die lediglich die Leistungsstörung – und eben kein unrechtmäßiges Verhalten – Anknüpfungspunkt eines Gläubigerrechts ist.

Die Unrechtsbewertung gelingt anhand einer Kombination von Verhaltens- und Erfolgsunrechtskomponente. Auf diese Weise lassen sich sämtliche Pflicht- und Pflichtverletzungstypen erfassen, nach einheitlichen Grundsätzen ordnen und systematisieren. Erstmals werden damit in einer sämtliche Leistungsstörungen umfassenden Untersuchung Verhaltensweisen isoliert, die hinreichender Bezugspunkt einer Verschuldensprüfung sein können. Auf diese Weise entsteht ein exaktes Beziehungsverhältnis von Haftungsgrund und Haftungsprinzip. Dieses Werk erscheint im Laufe des Jahres 2019 im Mohr Siebeck Verlag in der Schriftenreihe Jus Privatum.

 
Auch in Zukunft werden die in der Habilitationsschrift behandelten Themen Forschungsvorhaben beeinflussen. In stattfindenden Diskussionen über eine europäische Rechtsvereinheitlichung im Bürgerlichen Recht durch Kodifikation eines Europäischen Bürgerlichen Gesetzbuchs oder eines Europäischen Vertragsrechts werden beispielsweise die Fragen zu beantworten sein, welches Haftungsprinzip Grundlage einer leistungsstörungsrechtlichen Haftung sein soll sowie ob und in welchen Fällen einer solchen Haftung das Verschuldensprinzip beibehalten werden kann. Damit sind nicht nur rechtsvergleichende Auseinandersetzungen veranlasst, sondern auch interdisziplinäre Forschungsprojekte, weil sich die Frage stellt, welche wirtschaftlichen Auswirkungen die Geltung unterschiedlicher Haftungssysteme im europäischen Binnenmarkt hat.

 
Im Arbeitsrecht liegt der Forschungsschwerpunkt derzeit auf den aktuell stattfindenden Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt, die allgemein mit dem Stichwort der Industrie oder der Arbeit 4.0 belegt werden. Im Zentrum der Forschung steht dabei letztlich der Begriff des Arbeitnehmers selbst, von dem bislang nahezu ausschließlich abhängt, ob jemand in den Genuss des Arbeitnehmerschutzrechts gelangt oder nicht. Was aber gilt, wenn moderne Beschäftigungsformen (insbesondere – wie am Beispiel des Crowdworking gezeigt – über eine Arbeitsorganisation durch die Verwendung des Internets und des Smartphones) Arbeit so organisieren können, dass unser traditioneller Begriff des Arbeitnehmers schutzbedürftige Menschen nicht mehr erfassen kann? Zu überlegen ist eine grundlegende Neuorientierung des Arbeitsrechts, die unabhängig von der gewählten Vertragsgestaltung (Arbeitsvertrag im klassischen Sinne, Leiharbeitsverhältnis, Werkvertrag) zumindest partiellen Arbeitsschutz bereitstellt.
Gleichermaßen betrachtet werden die Auswirkungen moderner Beschäftigungsformen auf das Sozialrecht. Unter Berücksichtigung aktueller Demographie können diese sogar dazu führen, dass eine Finanzierung der Sozialversicherung insgesamt, aber auch der sozialversicherungsrechtliche Schutz Einzelner nicht mehr sichergestellt ist.

 
Geplant ist eine Rechtsuntersuchung künstlicher Intelligenz, die im Zuge voranschreitender Digitalisierung und moderner Robotik künftig neue rechtliche Herausforderungen bringen wird. Die Auswirkungen für das Arbeitsverhältnisrecht und der kollektiven Interessenvertretung sind derzeit nicht abzusehen und rechtswissenschaftliche Grundlagen – zum Beispiel in der Rechtsgeschäftslehre – wurden noch nicht gelegt.

 

 

 

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