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Die Berufsrückkehr als Statuspassage zwischen Familien- und Erwerbsarbeit

Projektleitung: Prof. Dr. Florian Kreutzer

 

Projektdauer: 01.01.2011 – 31.08.2012

 

MitarbeiterInnen: PraktikantInnen und Studentische Hilfskräfte (insbesondere Frau Maren Albrecht)

 

Finanzierung: Eigenmittel

 

Kooperationspartner in der BA:

Zentrale der BA, Stab Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Zentrale

Leiterin des Stabs: Dagmar Hebmüller

Referentin: Ursula Kraus-Weber

 

Art der Veröffentlichung: Monographie, Aufsätze, Vorträge

 

Kurzdarstellung des Forschungsprojekts:

 

Gegenstand des Forschungsprojektes:

 

Das Projekt untersucht die Statuspassage der Berufsrückkehr nach einer Phase der Kindererziehung. Der Fokus des Projektes richtet sich daher auf die Zielgruppe der Berufsrückkehrerinnen und die Strategien der Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Übergang von der Familienphase zur Wiederaufnahme der Erwerbsarbeit. 

Die empirische Basis dieses Projektes bilden zum einen über 100 offene Interviews mit Berufsrückkehrerinnen, die aus Bachelorarbeiten von Studierenden der HdBA stammen, und zum anderen eine Medienanalyse zum Thema Berufsrückkehr.

Methodisch wird in diesem Projekt ein dialektischer Ansatz ausgearbeitet und verwendet, der aufgrund seines problemzentrierten und ganzheitlichen Zugangs ein auch für die Beratung, Vermittlung und das Fallmanagement geeignetes Reflexionsmodell darstellt.

 

Fragestellung und Erkenntnisinteresse des Forschungsprojektes:

 

Das Thema der Berufsrückkehr bzw. des Wiedereinstiegs steht an der Schnittstelle von zwei umfassenden Themenfeldern: der Integration in Beschäftigung zum einen und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zum anderen. Zum Thema Wiedereinstieg bzw. Berufsrückkehr liegen mehrere neuere Studien vor, die das Thema aus einer jeweils spezifischen empirischen, biographischen und systematischen Perspektive behandeln (z.B. Feider 2006; Pronzato 2009; Tomlinson et al. 2009; Allmendinger 2010; Cocandeau-Bellanger 2011).

In dem vorliegenden Forschungsprojekt geht es um folgende Fragestellungen: Wie stellen BerufsrückkehrerInnen ihre Berufsrückkehr in offenen, narrativen Interviews dar? Wie wird die Berufsrückkehr in den Medien dargestellt? Wie kann die Statuspassage der Berufsrückkehr und die liminale Figur der BerufsrückkehrerIn in einem theoretischen Bezugsrahmen konzeptionalisiert und reflektiert werden?

Das zentrale Erkenntnisziel des Projekts ist eine empirisch fundierte Theoriebildung. Empirisch wird in diesem Projekt eine sehr umfangreiche qualitative Erhebung mit mehr als 100 Interviews von BerufsrückkehrerInnen mit einer Medienanalyse (und hier insbesondere Bildanalyse) verbunden. Theoretisch wird in diesem Projekt ein eigenständiger Bezugsrahmen entwickelt, der die Berufsrückkehr als Statuspassage und die BerufsrückkehrerIn als liminale Figur im Kontext der vier zentralen Dimensionen: Familie und Beruf, Prekarität und Gleichstellung konzeptualisiert. Dieser Bezugsrahmen exemplifiziert zugleich ein innovatives dialektisches Modell zur Reflexion eines zentralen sozialen Beratungs- und Integrationsproblems. Die Ergebnisse der Projektarbeit verbinden daher eine eigenständige empirische Untersuchung mit einer innovativen Theorieentwicklung, die zur weiterführenden Reflexion der Berufsrückkehr als einem zentralen Thema der Integration in Beschäftigung und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf beiträgt. Zugleich weist diese empirisch fundierte Theorieentwicklung über das spezifische Thema des Wiedereinstiegs hinaus und kann im Anschluss auch für andere Kontexte der Beratung und Integration fruchtbar gemacht werden.  

 

Forschungskontext und Zielgruppe des Projektes:

 

Das Projekt ist ein Teilprojekt des Forschungsschwerpunktes: „Beratung in beruflichen Übergängen“ der HdBA. Das Projekt basiert im Wesentlichen auf Bachelorarbeiten, die zu diesem Thema vergeben wurden, und wird aus Eigenmitteln der HdBA finanziert. Abnehmer der Forschungsergebnisse sind sowohl die Fachöffentlichkeit als auch die Zielgruppe der Berufsrückkehrerinnen selbst, die interessierte Öffentlichkeit ebenso wie die sich mit dieser Problematik befassenden Experten.

 

Angestrebte Ergebnisse:

 

Die Studie, die aus dem Projekt hervorgeht, stellt die BerufsrückkererIn als liminale Figur, d.h. im Dazwischen einer doppelten Statuspassage dar, die wiederum systematisch im Spannungsfeld von Familien- und Erwerbsarbeit, Prekarität und Gleichstellung erfasst werden kann.

Die Studie erfasst die Berufsrückkehr sowohl aus der individuell-subjektiven Perspektive (über 100 Interviews mit BerufsrückkehrerInnen) als auch der diskursiven Perspektive der symbolisch-normativen Ordnung (Medienanalyse zur Berufsrückkehr). Sie verbindet diese eigenständige empirische Basis des Projektes mit den empirischen Daten und Ergebnissen aus der reichhaltigen Literatur zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zur Prekarisierung und Gleichstellung der Geschlechter. 

In der Studie wird ein dialektisches Modell expliziert, das die (Un-)Vereinbarkeiten der Berufsrückkehr in ihrer Wechselwirkung formal darzustellen und zu reflektieren vermag. Die theoretische Konzeption der Studie dient der Entwicklung eines allgemeineren sowohl dialektischen als auch pragmatischen soziologischen Handlungs- und Gesellschaftsmodells, das unter anderem als Reflexionsmodell eine den individuellen Kontext reflektierende Beratung, Vermittlung oder das Fallmanagement unterstützen kann.

Über dieses allgemeine Reflexionsmodell hinaus bietet die Studie durch dessen Konkretisierung am Fall der Berufsrückkehr der Praxis eine sowohl umfassende als auch detaillierte Darstellung der Zielgruppe der Berufsrückkehrerinnen sowohl in Bezug auf deren verschiedensten Bewältigungsstrategien und Unterstützungsbedürfnisse als auch in Bezug auf die institutionellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Berufsrückkehr.

 

Bisherige Präsentation der Projektkonzeption und erste Zwischenergebnisse:

 

Florian Kreutzer und Maren Albrecht: Berufsrückkehr: Formen des „Wi(e)der“ im Wiedereinstieg. Vortrag im Rahmen des wissenschaftlichen Kolloquiums der HdBA am 27.07.2011.