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Assistierte Ausbildung (AsA)

 

 

Projektleitung
Prof. Dr. Ralph Conrads
Prof. Dr. Thomas Freiling


Projektmitarbeitende
Markus Zink (M.A.)
Dipl. Soz.-Wiss. Angela Ulrich

 

 

Was ist die Assistierte Ausbildung?

Das Instrument der Assistierten Ausbildung (AsA) gem. § 130 SGB III unterstützt seit Mai 2015 lernbeeinträchtigte und sozial benachteiligte junge Menschen dabei, eine betriebliche Ausbildung zu beginnen und diese dann erfolgreich zu durchlaufen. Nach Abschluss der Erprobungsphase wird diese Fördermaßnahme der Berufsberatung nach dem Willen des Gesetzgebers als dauerhafte Unterstützungsmöglichkeit (gem. §§ 74 – 75a SGB III) ab Herbst 2021 unter dem Namen AsA flex eingeführt.

Zur Unterstützung der Zielgruppe sind eine sozialpädagogische Begleitung sowie eine zusätzliche Förderung fachlicher Kompetenzen vorgesehen. Durch eine solche intensive, individuelle Förderung wird der junge Mensch sehr bedarfsorientiert anhand seiner individuellen Bedürfnislage unterstützt. Die AsA sieht auch Unterstützungsleistungen für Unternehmen rund um die betriebliche Ausbildung vor. Das zugrundeliegende Konzept bietet mit dem Vorgehen bewusst keine Alternative zur Ausbildung auf dem ersten Arbeitsmarkt an. Die Durchführung erfolgt in anerkannten dualen Ausbildungsberufen (Normalitätsprinzip im Sinne einer inklusive(re)n Ausbildung). Mit der AsA wird auf den Dualismus der professionellen Unterstützung einerseits sowie der Handlungssouveränität von Jugendlichen und Ausbildungsbetrieben andererseits gesetzt.

 


Ergebnisse der zweiten Erhebungswelle liegen vor - anstehende Folgeuntersuchungen

Seit 2017 begleitet die HdBA die Erprobung der Assistierten Ausbildung (AsA) als Fördermaßnahme der Berufsberatung und führte zu diesem Zweck zwei qualitative Erhebungen 2017 und 2019 durch. Um mit der Begleitforschung die Ausarbeitung einer zukunftsgerichteten Konzeption der AsA zu flankieren, galt es 2019, sich den aus der ersten Erhebungswelle ergebenden Fragestellungen im Rahmen einer weiteren Erhebung zu stellen.
So ging es in der zweiten Erhebungswelle (September - Dezember 2019) um die Frage, ob die AsA für Unternehmen ein wirksamer Anreiz ist, auch benachteiligten Jugendlichen eine Ausbildungschance zu geben.
 

Des Weiteren wurden

  • die Erwartungen der Ausbildungsbetriebe an die AsA,
  • die Versorgungslage im ländlichen Raum und dabei die Rolle des Einsatzes digitaler Medien,
  • die begleiteten Übergänge an der ersten (von der Schule in die Berufsausbildung) und der zweiten Schwelle (von der Berufsausbildung in ein Arbeits- bzw. Dienstverhältnis) und
  • die Chancen und Risiken von Maßnahmen-Zusammenlegungen im Übergangsbereich zur Reduktion von Doppelstrukturen

untersucht.

Auch für die zweite Erhebungswelle wurde ein breit angelegter Feldzugang bezüglich unterschiedlicher regionaler Gegebenheiten, Bildungsdienstleister, Ausbildungsberufe, Branchen und Betriebs- bzw. Unternehmensgrößen praktiziert, wodurch ein umfassendes und verallgemeinerbares Bild über die im Befragungszeitraum laufende AsA gezeichnet werden kann.
 


Ergebnisse der zweiten Erhebungswelle

Die Arbeitgeberseite ist mit der geleisteten Beratungs- und Betreuungsarbeit sowie mit der fachlichen Unterstützung und dem Stütz- und Förderunterricht sehr zufrieden. Die betrieblichen Erwartungen werden weitestgehend erfüllt.

Diese positiven Erfahrungen verändern eindeutig mehrheitlich die Haltung der an der AsA teilnehmenden Ausbildungsbetriebe gegenüber benachteiligten (förderungsberechtigten) Jugendlichen, denn mit der AsA erhalten mehr von ihnen eine Ausbildungschance im dualen System. Vielen kleinen und mittelgroßen Betrieben hat die AsA die Ausbildung benachteiligter Jugendlicher erst ermöglicht, woraus abgeleitet werden kann, dass sich die AsA positiv auf die Quote der Integrationen am Ausbildungsmarkt auswirkt.

 

 

Über die Maßnahmendetails können folgende Ergebnisse zusammengefasst werden:

  • Der zeitliche Umfang der AsA mit vier bis neun Unterrichtsstunden pro Woche wird als bedarfsgerecht eingestuft.
  • Teilnehmende mit Flucht- und Migrationshintergrund zeigen zusätzliche Förderbedarfe (Deutschförderung, Bewältigung der Fluchterfahrung, interkulturelle Kompetenzentwicklung, sozialpädagogische und zum Teil psychologische Unterstützung).
  • Im ländlichen Raum erschweren lange Wege zwischen den unterschiedlichen Lernorten die Nutzung der AsA.
  • Digitale Lehr-/Lernmethoden sind für den Einsatz bei der Zielgruppe der AsA teilweise vor allem als ergänzende Angebot zielführend.
  • Bei gelungenen Phasenübergängen beschleunigt das auf diese Weise gebildete gegenseitige Vertrauen die zielführenden Betreuungs- und Lernprozesse.
  • Da sich andere berufsvorbereitende und ausbildungsbegleitende Maßnahmen (z.B. BvB, abH) mit der AsA inhaltlich überschneiden, erscheinen Angleichungen bzw. Vereinheitlichungen erforderlich, um Doppelstrukturen entgegenzuwirken.


Aus diesen Befragungsergebnissen werden in der Studie konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet, die schließlich auch in Teilen in die gesetzliche Neuregelung und fachliche Neukonzeptionierung der AsA eingegangen sind.

Der ausführliche Ergebnisbericht incl. Handlungsempfehlungen ist hier abrufbar: AsA-Ergebnisbericht der zweiten Erhebungswelle



Rückblick auf die erste Erhebungswelle

Die Ergebnisse der ersten Erhebungswelle (2017/2018) verdeutlichten bereits eine hohe Zielerreichung und Wirksamkeit der AsA-Maßnahmen. Ebenso wurde die Notwendigkeit der Modifikation der AsA zur Vermeidung inhaltlicher Überschneidungen zu anderen Instrumenten des Übergangssystems identifiziert.

Die Mehrheit der Befragten sah das Programm als erfolgreich (33%) oder sehr erfolgreich (57%) an. Hervorgehoben wurden die Verhinderung von Abbrüchen durch die Stabilisierung Teilnehmender sowie der gelungene Fokus auf einzelne Zielgruppen, denen ein Ausbildungsstart besser gelingt. Als wichtig wurde hierfür vor allem die zuverlässige sozialpädagogische Betreuung über die fachlichen Ausbildungsinhalte hinaus bewertet. Die Betriebe machten gute Betreuungserfahrungen und äußerten sich zufrieden mit verbesserten Leistungen und bestandenen Prüfungen der Teilnehmenden.

Handlungsbedarf wurde bei der Teilnehmendenauswahl aber auch in einer erfolgreicheren Begleitung des Übergangs zwischen AsA-Phase I (ausbildungsvorbereitende Phase) und AsA-Phase II (ausbildungsbegleitende Phase) gesehen. Zudem war die AsA bei Betrieben noch zu wenig bekannt. Der ländliche Raum war (und ist) mit der Problematik großer Entfernungen konfrontiert.

Die Gesamtfassung des Forschungsberichts der ersten Erhebungswelle wurde bei wbv Publikation veröffentlicht:  http://u.wbv.de/9783763960927)



Ausblick: Projektevaluation in Bayern - AsA digital

In der AsA-Begleitforschung ist in Kooperation mit dem Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (bbw) eine weitere Erhebung für den Zeitraum November 2020 – Februar 2021 geplant.

Das neue Projekt der AsA-Begleitforschung trägt den Titel Relevanz digitaler Lernsettings in Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit im Jugendlichenbereich am Beispiel der Assistierten Ausbildung (AsA) und stellt sich den Fragen,

  • welcher Beitrag beim Einsatz von digitalen Lernsettings in der Aus- und Weiterbildung zur Sicherstellung des Lernerfolgs geleistet wird,
  • welche Rahmenbedingungen beim Einsatz und Lernen zu berücksichtigen sind,
  • inwieweit eine Überwindung von Teilnahmehürden im ländlichen Raum möglich ist und
  • welche weiteren Gestaltungsoptionen mit Blick auf die Zielgruppe erfolgsrelevant sind.


Als Untersuchungsobjekt dient das von der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. – geförderte Modellprojekt AsA digital, welches herkömmliche AsA-Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit ergänzt und von den Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) durchgeführt wird:  https://www.bfz.de/wir-ueber-uns/projekte)


Die Präsenzveranstaltungen (Unterricht, Betreuung, Austausch) in der Assistierten Ausbildung wurden durch digitale Lernsettings ergänzt, um die Durchführungsqualität für Ausbildungsbetriebe und Jugendliche zu erhöhen. Mit der AsA digital sollen v.a. Auszubildende mit Ausbildungsbetrieb und/oder Wohnort im ländlichen Raum sowie Auszubildende in seltenen Ausbildungsberufen angesprochen werden.

Erste Ergebnisse werden im Frühling 2021 erwartet.