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Prof. Dr. Ingo Matuschek

Projekte zum Wandel der Arbeitsgesellschaft / Soziale Nachhaltigkeit / Nachhaltige Arbeit 
      
Mitglied der DKN-Arbeitsgruppe Nachhaltige Arbeit - Die sozial-ökologische Transformation der Arbeitsgesellschaft  (2017 - 2019).

   
Bezüglich der Nachhaltigkeitsziele ( insbesondere Ziel 8 „Decent work and economic growth“) wird in dem UNDP–Bericht „Arbeit und menschliche Entwicklung ‘nachhaltige Arbeit‘ eingefordert. Das impliziert über ökologische Konsequenzen hinaus auch globale entwicklungspolitische Fragestellungen und Überlegungen zu einer eine tiefgreifenden gesellschaftliche Transformation der Arbeitsgesellschaften.

    
Das Ziel der Arbeitsgruppe ist es, die Auseinandersetzung mit den Themen Arbeit und Nachhaltigkeit voranzutreiben, thematisch zu fokussieren und Vernetzungen zu ermöglichen.  Dabei steht nicht das Thema ökologischer Arbeitsplätze und deren Gestaltung im Mittelpunkt der  Debatten. In Anlehnung an die weite Definition von nachhaltiger Arbeit im Bericht der UNDP und der Heterogenität der Nachhaltigkeitsziele liegt der thematische Schwerpunkt vielmehr auf der Analyse des nicht widerspruchsfreien Verhältnisses zwischen ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit sowie wirtschaftlichen Entwicklungszielen.

    
Im Einzelnen stehen u.a. nachstehende Themen zur Debatte:


• Welche Chancen und Risiken für die Arbeitskräfte (unter Berücksichtigung geschlechtsspezifischer, regionaler und branchenspezifischer Unterschiede) sind mit der sozial-ökologische Transformation in Deutschland verbunden?
• Welche Wechselwirkungen ergeben sich zwischen der sozial-ökologischen Transformation und dem aktuell unter dem Begriff Industrie 4.0 diskutieren Transformationsprozess?
• In welchem Verhältnis werden lohnförmige Arbeit und andere Formen der Arbeit (z.B. Sorge-, Pflege- und Erziehungsarbeit (Care), Hausarbeit, Ehrenamt u.a.m.) in einer nachhaltigen Arbeitsgesellschaft zu einander stehen?
• Welche Zusammenhänge gibt es zwischen der Nachhaltigkeit bzw. Nichtnachhaltigkeit der (Erwerbs-)Arbeitswelt und den alltäglichen Praktiken der Lebensführung?
http://www.dkn-future-earth.org/community/arbeitsgruppen/arbeitsgruppen/nachhaltige-arbeit.html

   
 
Aktuelle Veröffentlichungen zu nachhaltiger Arbeit

  

Brandl, Sebastian/Matuschek, Ingo (2017): Nachhaltige Personalpolitik und die Vernutzung von Lebenskraft durch Selbstoptimierung. Arbeits- und Industriesoziologische Studien (AIS) 10(2): 53-70. www.ais-studien.de/home/veroeffentlichungen-17/november/artikel/3050.html#artikel3050

   
 
Brandl, Sebastian/Matuschek, Ingo (2017): Selbstoptimierung contra personale Nachhaltigkeit – die Fitness-Kultur als Anforderung subjektivierten Arbeitens. Verhandlungen des 38. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Bamberg. publikationen.soziologie.de/index.php/kongressband_2016; http://publikationen.soziologie.de/index.php/kongressband_2016/article/view/437/pdf_76

    


Übersicht abgeschlossener Projekte (an Antragstellung beteiligt):

   
01/17-06/18 Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Frank Kleemann & Prof. Dr. Thomas Haipeter
Industrie 4.0 und die Dispositionen der Beschäftigten
Forschungsprojekt für das Forschungsinstitut Gesellschaftliche Weiterentwicklung, Düsseldorf. Organisation und Durchführung der projektbezogenen Arbeiten inklusive Auswertung, Berichtswesen und Veröffentlichungen

   

05/15-12/16 Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Hochschule der Bundesagentur für Arbeit, Standort Schwerin, Professoren Dr. Sebastian Brandl und Dr. Peter Guggemos
Einstellung und (Weiter-)Beschäftigung Älterer. Maßnahmen für ältere Beschäftigung am Beispiel von Betrieben der Chemischen Industrie
Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg; HdBA als qualitatives Teilprojekt; Organisation und Durchführung der projektbezogenen Arbeiten inklusive Auswertung, Berichtswesen und Veröffentlichungen

   

09/09 – 12/13 Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Friedrich-Schiller Universität Jena, Professur Arbeits-, Industrie- und Wirtschafts-soziologie, Prof. Dr. Klaus Dörre
Externe Flexibilisierung und interne Stabilität im Wertschöpfungssystem Automobil (BMBF-Projekt)
Forschungs- und Gestaltungsprojekt zu Flexibilisierungsmaßnahmen in Produktion sowie Forschung & Entwicklung, qualitative und quantitative Sozialforschung, Forschungs- und Gestaltungskonzepte sowie Evaluation, Berichtswesen und Veröffentlichungen

    
05/09 – 08/09 Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektkoordinator
Humboldt-Universität zu Berlin, Professur Arbeits- und Geschlechterverhältnisse, Prof. Dr. Hildegard Maria Nickel
Subjektivierte Leistungspolitik. Leistungspolitik unter der Bedingung subjektivierter Arbeit. HBS-Projekt; Eigenantrag, Laufzeit 05 – 08/2009
Literaturstudie über zehn Branchen, mit qualitativen Experteninterviews; Antragstellung, Recherchearbeiten und Veröffentlichung

    
01/99 – 09/08 Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektkoordinator
TU Chemnitz, Industrie- und Techniksoziologie, Prof. Dr. G. Günter Voß
Multiple Entgrenzung der Arbeit des fliegenden Personals im kommerziellen Luftverkehr; DFG-Projekt (10/2006 – 9/2008)
Autonomie und Standardisierung in medienvermittelter Grenzstellenarbeit: Informatisierte Kommunikationsarbeit in Communication Centern; DFG-Projekt (1/2002 – 12/2004)
Neue Arbeits- und Alltagspraktiken bei medienvermittelten autonomisierten Arbeitsformen; DFG-Projekt (1/1999 – 12/2001)
In allen qualitativ wie auch quantitativ angelegten Projekten Führung von studentischen und wissenschaftlichen Mitarbeitern sowie administrative Tätigkeiten; Organisation von Tagungen und Workshops; Lehr- und Vortragstätigkeit; Forschungsmethoden und Projektkonzeptionen, Antragstellung; Veröffentlichungen.

    
04/93 – 12/97 Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Humboldt-Universität zu Berlin, Jugendsoziologie, Prof. Hildegard Maria Nickel
Gruppengewalt in großstädtischen Monostrukturen II; DFG-Projekt (01/95 – 12/97)
Gruppengewalt in großstädtischen Monostrukturen I; DFG-Projekt (04/93 – 12/95)
Quantitative Studie und qualitative Wiederholungsbefragung); Forschungs-koordination und Projektadministration, Durchführung und Forschungsmethoden, zuletzt Projektkoordinator (1 Jahr).
04/92 – 03/93 Wissenschaftlicher Mitarbeiter
FU Berlin/ Zentrum Europäische Bildungsforschung, Prof. Dr. Hans Mertens
Projekt „Extremistische Denk- und Verhaltensweisen Schuljugendlicher“

    
Inhaltliche Beschreibungen der Projekte:

      
Projekt: Industrie 4.0 und die Arbeitsdispositionen Beschäftigter (abgeschlossen)
Die Arbeitskräfte und ihre Dispositionen werden als Vorbedingung für die Einführung cyber-physischer Systeme bisher kaum in den Blick genommen. Eine systematische Fokussierung auf Beschäftigte als Akteur_innen und ihre (unterschiedlichen) Arbeitsdispositionen erscheint jedoch geboten, um den Wandel von Arbeit im Prozess der Digitalisierung angemessen erfassen zu können. Mit einem Fokus auf industrielle Facharbeit sollen Wahrnehmungen und Deutungen des Entwicklungsprozesses durch die Beschäftigten und insbesondere ihre Reaktionsweisen darauf auf der Grundlage ihrer Arbeitsdispositionen untersucht werden. Inkompatibilitäten zwischen Implementationsprozessen und Arbeitsdispositionen können dysfunktional für die erfolgreiche Einführung von cyber-physikalischen Systemen sein, daher ist die Erfassung der Beschäftigtenperspektive überaus praxisrelevant. Praxisbezogenes Ziel des Projekts ist es, typische Mismatch-Relationen zwischen realen Anforderungen von Industrie 4.0 an die Beschäftigten einerseits und den Kompetenzen und Arbeitsdispositionen der Belegschaft andererseits zu identifizieren und Leitlinien zu deren Überwindung zu entwickeln. 
Veröffentlichungen u.a. Industrie 4.0 und die Arbeitsdispositionen der Beschäftigten – Zum Stellenwert der Arbeitenden im Prozess der Digitalisierung der industriellen Produktion. Erscheint im Oktober2018 unter fgw-nrw.de, 141 Seiten (zusammen mit Frank Kleemann und Thomas Haipeter); http://www.fgw-nrw.de

   
Ingo Matuschek / Frank Kleemann (2018): "Was man nicht kennt, kann man nicht regeln". Betriebsvereinbarungen als Instrument der arbeitspolitischen Regulierung von Industrie 4.0 und Digitalisierung; in: WSI-Mitteilungen 3/2018, S. 227-234.

    

Projekt „Einstellung und (Weiter-)Beschäftigung Älterer. Maßnahmen für ältere Beschäftigung am Beispiel von Betrieben der Chemischen Industrie“, Hans-Böckler-Stiftung, HdBA (abgeschlossen)

     
Das Projekt thematisiert betriebliche Aktivitäten angesichts des demografischen Wandels und des spürbaren Fachkräftemangels. Mittels qualitativer Sozialforschung und quantitativen Erhebungen werden betriebliche Perspektiven und Strategien, aber auch individuelle Einstellungen zum veränderten Arbeitsleben inklusive des Rentenübergangs erfasst. Älter werdende Beschäftigte tellen sich als organisatorische Herausforderung dar – sie weisen aber auch auf sich wandelnde Formen sozialer Unterstützung hin, etwa wenn es um Pflege und Betreuung Angehöriger während der aktiven Phase des Arbeitslebens geht. Hintergrund ist ein arbeits-, sozial- und rentenpolitischer Paradigmenwechsel, der mit dem Schlagwort von der Rente mit 67 nur unzureichend skizziert ist. Insgesamt handelt es sich um ein veritables gesellschaftliches Problem, welches die soziale Sicherung in den Grundfesten trifft, mit neuen Beschäftigtengruppen u.a. geschlechtsspezifische wie migrationssensitive Lösungen erfordert und sich als betriebliche wie individuelle Gestaltungsaufgabe darstellt, die arbeits- und sozialstaatlicher Rahmung bedarf.

    
Finanziert wird die Studie durch die Hans-Böckler-Stiftung, die relevanten Sozialpartner BAVC und IG BCE konnten als Projektpartner gewonnen werden. Das Projektteam setzt sich aus Vertretern des IAB und der HdBA zusammen.

   
Veröffentlichung u.a.:
‚Altern in Betrieb‘. Reihe Study der Hans-Böckler-Stiftung September 2018 (mit Lutz Bellmann, Sebastian Brandl, Sandra Dummert, Peter Guggemos und Ute Leber); hhtp://www. hans-boeckler-stiftung.de

     

Projekt „Externe Flexibilisierung und interne Stabilität im Wertschöpfungssystem Automobil“, BMBF-Projekt 2009 – 2013 an der FSU Jena (abgeschlossen)


Vor dem Hintergrund marktgetriebener Restrukturierungsprozesse wurden am Beispiel des Wertschöpfungssystems „Automobil“ Spielräume für nachhaltige Flexibilisierungsstrategien ausgelotet und in Zusammenarbeit mit Transferpartner Praktiker zur Nutzung dieser Gestaltungschancen motiviert. Ziel des Vorhabens war es, die Entwicklung der Strategiefähigkeit von betrieblichen Interessenvertretungen als wichtigem Faktor einer nachhaltigen Flexibilisierung zu untersuchen, insbesondere in Bezug auf personalpolitische Maßnahmen und der Integration unterschiedlicher Beschäftigtengruppen wie Stammbeschäftigte und Randbelegschaften. Dem Projekt ging es darum, auf empirischer Grundlage Gestaltungsinstrumente zu entwerfen, die die Strategiefähigkeit der betrieblichen Interessenvertretungen dauerhaft erhöhen und einen Transfer über den Kreis der am Forschungsverbund beteiligten Unternehmen ermöglichen. Dazu werden die folgenden vier Teilziele verfolgt:
• die Erarbeitung eines mehrdimensionalen Stabilitätskonzeptes, das die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Stabilitätsdimensionen abbildet,
• die Entwicklung der Kompetenzen und der Strategiefähigkeit der betrieblichen Interessenvertretungen,
• die Initiierung eines partizipativen Strategiebildungsprozesses,
• die Unterstützung nachhaltiger Flexibilisierungsstrategien, die ein Verschleißen betrieblicher  und individueller Ressourcen verhindern.

      

Auf Grund zeitlicher Übereinstimmung konnten wichtige Erkenntnisse zu Bewältigungsstrategien während der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008ff gewonnen werden, die u.a. die Bedeutung arbeitsmarktpolitischer Interventionen aufzeigte; daneben konnte auf das differente Reaktionsvermögen spezischer Gruppen am Arbeitsmarkt eingegangen werden. Der Forschungsverbund setzte sich aus wissenschaftlichen Partnern sowie aus Praxis-und Transferpartnern zusammen. Wissenschaftlich sind die FSU Jena (LS Dörre) und die HU Berlin (LS Nickel) am Projekt beteiligt. Die beiden geförderten Unternehmen VW Wolfsburg und MB Gaggenau sowie das Partnerunternehmen Lindgrün (Berlin, Kreativwirtschaft) brachten ebenso wie das ffw Nürnberg Praxiserfahrungen und Gestaltungskompetenzen ein. Darüber waren weitere Partnerunternehmen und Transferpartner beteiligt, um die Breitenwirksamkeit des Verbundes sicherzustellen. Das Projekt war ‚Projekt des Monats‘ des Projektträgers DLR.

    

Veröffentlichung u.a: Krise, Kritik und blockierte Allianzen - pragmatische Alltagstheorien zu Arbeit und Gesellschaft. In: Nickel, Hildegard M./ Heilmann, Andreas (Hg.) (2013): Krise, Kritik, Allianzen. Arbeits- und geschlechtersoziologische Perspektiven. Weinheim: Beltz, S. 152 - 169 (mit Hajo Holst)

    

Projekt "Arbeitspolitik unter der Bedingung subjektivierter Arbeit", im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung, 2010 an der Humboldt-Universität zu Berlin (abgeschlossen)

    
Für die Hans-Böckler-Stiftung wurde eine Expertise zu den veränderten Rahmenbedingungen betrieblicher Arbeitspolitik angesichts veränderter Beschäftigungsverhältnisse erstellt. Ausgangslage ist die zunehmende Subjektivierung von Arbeit, die ihren Niederschlag in veränderten Formen der Arbeitsorganisation findet. Damit sind die Individuen vermehrt aufgefordert, eigene Strukturierungsleistungen zu realisieren. In den Vordergrund rückt dabei ein am Output gemessene Erfolgskriterium, während die reine Arbeitsleistung für die Bewertung nachrangig wird. Auf diese Globaltendenz haben sich Beschäftigte wie Management gleichermaßen einzustellen. Die Studie ist als branchenübergreifender Vergleich industrieller wie dienstleistungsbezogener Sektoren angelegt und hat soziale Dienstleistungen explizit einbezogen. Bilanziert wird ein gewandelter Arbeitsmarkt mit zum Teil dramatischen Folgen für die sozialstaatliche Verfasstheit der Gesellschaft insgesamt.

    

Veröffentlichung: Konfliktfeld Leistung. Eine Literaturstudie zur betrieblichen Leistungspolitik. Berlin: edition sigma (2011)

   

Projekte "Arbeit und Leben in Organisationen" I (2008) und II (2011) im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Supervision (abgeschlossen)

     
Dieses für die Deutsche Gesellschaft für Supervision durchgeführte Projekt hatte den Ausgangspunkt, in verschiedenen Branchen der Wirtschaft, sozialer Einrichtungen und des Non-Profit-Sektors den Veränderungen in der Betriebskultur und in der Arbeitspolitik nachzugehen. Dazu wurden einerseits eine Reihe von Experteninterviews mit Supervisoren aus den genannten Bereichen sowie andererseits eine repräsentative Umfrage unter den Mitgliedern des Verbandes durchgeführt. Im Ergebnis zeigte sich eine starke Beanspruchung sowohl der abhängig Erwerbstätigen wie auch des Managements, die insgesamt zu einer Erosion der Bindungen zu und Beziehungen in Unternehmen führten. Vor diesem Hintergrund werden andauernde marktorientierte Umgestaltungen der Arbeitskultur als Verlust eines produktiven betrieblichen Zusammenhangs erfahren und befördern eine schleichende Destabilisierung der Betriebe. Im Delegieren an sozialpolitische Träger werden zudem beschäftigungspolitische Erosionsprozesse geradezu befördert, wenn belastende Tätigkeiten zu Berufs- oder Arbeitsunfähigkeit in Folge andauernder Belastungen ohne Kompensation durch Festanstellungen erfolgt – Folge ist u.a. das Burn-Out-Syndrom.

    

Veröffentlichungen: Haubl, Rolf / G. Günter Voß (2009): Psychosoziale Kosten turbulenter Veränderungen. Arbeit und Leben in Organisationen 2008. Ergebnisse einer qualitativen Befragung von Supervisor/innen zum Innenleben von Organisationen in Deutschland im wirtschaftlichen und nichtwirtschaftlichen Bereich Kassel: Kassel University Press (= Positionen. Beiträge zur Beratung in der Arbeitswelt. Heft 1_2009) http://www.upress.uni-kassel.de/publik/Positionen Heft 1_2009.pdf 
Subjektivierte Arbeit. In: Rolf Haubl/ G. Günter Voß/ Nora Alsdorf/ Christoph Handrich (Hg.): Belastungsstörung mit System. Die zweite Studie zur psychosozialen Situation in deutschen Organisationen. Göttingen: Vondenhoeck & Ruprecht, 2013: S. 139 - 167

    

DFG-Projekt "Multiple Entgrenzung der Arbeit des Flugpersonals in der kommerziellen Luftfahrt" an der TU Chemnitz (abgeschlossen) 

     
Ausgehend von der Beobachtung, die Luftfahrt ein besonders dynamisches Feld der Wirtschaft ist, in dem sich Liberalisierungstendenzen mit einer weiterhin stark verregelten und von gesetzgeberischer Seite kontrollierter Organisationskultur mischen, wurde in diesem DFG-geförderten Projekt an der TU Chemnitz untersucht, wie sich diese Veränderungsprozesse gestalten und welche Auswirkungen das auf institutionelle und betriebliche Akteure, aber auch auf die Arbeitnehmer hat. Mit dem Fokus auf Piloten und Flugbegleiter wurden hier zwei in mancherlei Hinsicht kontrastierende Genusgruppen mit unterschiedlichem Sozialstaus mittels Interviews befragt, Betriebsfallstudien sowie Branchenanalysen durchgeführt. Die Luftfahrtbranche kann als ein aus Sicherheitserwägungen heraus geborener Sonderfall marktwirtschaftlicher Konkurrenz gelten: Die Unternehmen arbeiten in verschiedenen Feldern in einer Art kooperativer Konkurrenz zusammen, müssen sich aber andererseits ihren Wettbewerbern bei einem durchgängig harten Preisdruck erwehren. Von diesen Prozessen sind sowohl Management wie Belegschaft in ihren jeweiligen Aufgabengebieten betroffen; in aller Regel hat dies zu einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen den Akteuren geführt. Ebenso ist das Verhältnis zwischen operativem und kaufmännischem Management berührt: Die Flugleitung – per Gesetz aktive Piloten – ist in eine Sandwichposition gestellt, aus der heraus tagtäglich Balanceakte der Führungsarbeit geleistet werden müssen. Den Flugbegleitern ist die Kommunikation mit den Passagieren und ihre Sicherheit ein besonderes Arbeitsziel – mit diesem Ansinnen einer guten Dienstleistung geraten sie in Konflikt mit der Organisation. Betriebliche Praxis ist zudem der Einbezug sozialstaatlicher Leistungen in eine saisonal organisierte Tätigkeit, mit denen auch die Beschäftigten selbst hybride Lebensmodelle zwischen Beschäftigung und Erwerbslosigkeit eingehen.

   

Veröffentlichungen u.a.:
Luft-Schichten. Arbeit, Technik und Organisation in der kommerziellen Luftfahrt. Berlin: edition sigma 2008 (Hg.)
Die Schwingen ausbreiten… Hochleistungsmanagement in der kommerziellen Luftfahrt. In: Pawlovsky, P. / Mistele, P. (Hg.), Hochleistungsmanagement – Entwicklung und Nutzung vorhandener Leistungspotenziale in Organisationen. Wiesbaden: Gabler 2008, S. 269 -291 (mit G. Günter Voß) 

    

DFG-Projekt: "Autonomie und Standardisierung in medienvermittelter Grenzstellenarbeit: Informatisierte Kommunikationsarbeit in Communication Centern" an der TU Chemnitz (abgeschlossen)

     
Am Beispiel der Call Center wurde ein dynamisch wachsender Wirtschaftsbereich a) hinsichtlich der strukturellen Bedingungen zur Ansiedlung von Unternehmen und b) zur Arbeitsorganisation – und anforderung. Zum ersten Themenfeld wurde die Konkurrenz der Förderprogramme einzelner Bundesländer zur Ansiedlung von Call Centern einer kritischen Würdigung auf empirischer Basis unterzogen. Anhand natürlicher Daten und Interviews mit Verantwortlichen der Förderagenturen konnte das temporäre Engagement einer bestimmten Art von Call-Center-Betreibern, in der Regel konzerngebundene Profit- Center, nachgezeichnet werden, deren Aktivitäten sich mit Auslaufen der Förderung auf andere Standorte konzentrieren. Der damit einhergehende Gründungstourismus sowie die hohe Volatilität kleinerer eigenständiger Call Center erzeugten einen weitgehend undurchsichtigen Markt, der dadurch allerdings schnell an Strahlkraft für Hoffnungen auf dauerhafte Arbeitsplätze verlor. In Bezug auf das zweite Themenfeld wurde unter dem Stichwort "subjektivierte Taylorisierung" Arbeitsorganisation und Unternehmenskulturen in Call Centern bei Finanz- und Mobildienstleistungsbranchen, der Telekommunikationsbranche sowie der Technischen Hotlines untersucht. Ein Ergebnis dieser Untersuchungen war, das angesichts stets präsenter und partiell unrealistischer Zielvorgaben sowie dem notwendiger Weise hohem persönlichen Einsatz der Call-Center-Agenten ein Spannungsverhältnis zwischen Wirtschaftsethik und Arbeitsethos etabliert wurde, welches zu unterschwelligen bzw. manifesten Problemen zwischen Management und Belegschaft führte. Arbeitszeit, Arbeitskontrakte und Aufgabenzuschnitt konnten als Elemente einer flexibilisierten Dienstleistungsarbeit erfasst werden, die das traditionlle an Beruf und Fachlichkeit orientierte deutsche Beschäftigungsmodell zu untergraben droht, andererseits eine hire-and-fire-Mentalität etablieren hilft. 

    

Veröffentlichungen u.a.:
 Subjektivierte Taylorisierung. Informatisierte Kommunikationsarbeit in Call Centern. München/ Mering (2007): Hampp, (zusammen mit Katrin Arnold & G. Günter Voß)
 Sozioökonomischer Wandel und institutionelle Ausdifferenzierung im Finanzdienstleistungssektor. In: Stephan Habscheid et al (2006), S. 43 -61 (mit Katrin Arnold)
 Co-Production in Call Centres: The Workers’ and Customers’ Contribution. In Holtgrewe, U./ Kerst, Ch./ Shire, Karen A. (Eds.): Re-organizing Service Work. Call Centres in Britain and Germany. Aldershot, Ashgate, 2002, S. 204 – 227 (mit Kerstin Rieder und Philipp Anderson) 

    

DFG Projekt "Neue Arbeits-und Alltagspraktiken bei medienvermittelten autonomisierten Arbeitsformen" an der TU Chemnitz (abgeschlossen) 

    
Ziel dieses Projektes war, in unterschiedlichen Bereichen der medienvermittelten Arbeit (Mobil-und Telearbeiter, Internet-Dienstleister) die individuelle Arbeitsgestaltung unter Berücksichtigung der seitens der Unternehmen bereit gestellte Weiterbildung zu untersuchen. Abhängig von der deren Ausgestaltung entwickelten die Befragten eigene Arbeitsstile, die entweder technikaffin waren oder aber Defizite im Umgang mit den Neuen Medien durch erhöhten Arbeitseinsatz ausglichen. Dies führte auch zu individuellen Einschätzungen über die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens, die zugleich die soziale Bindung an diesen wie die personale Identität als produktive Arbeitskraft berührten. Kontrastiv wurden selbständige Internet-Dienstleister untersuch; hier wurden Scheidelinien eher entlang in der Ausbildung erworbener Expertise bzw. dem aktiv entdeckenden Umgang mit Neuen Medien entdeckt. Bezüglich der Unternehmen konnte zum Zeitpunkt der Studie eine erstaunliche Ignoranz gegenüber den Bedürfnissen der Mitarbeiter festgestellt werden; wenn überhaupt wurde vor allem in technischer Manier (Kurse etc.) am faktischen Bedarf vorbei Beistand geleistet, wo intensivere Unterstützung notwendig gewesen wäre. Die medienvermittelte Arbeit zeigte sich als interessantes Modell der Auflösung von betriebsförmigen Strukturen; schon zu diesem frühen Zeitpunkt digitalisierter Arbeit waren Versuche zu erkennen, Beschäftigte in (Schein-) Selbstständigkeit zu überführen, u.a. um Sozialabgaben zu minimieren. Darin zeigten sich ernstzunehmende Langfristfolgen für die soziale Verfasstheit der Arbeitsgesellschaft insgesamt wie der einzelnen Individuen im Besonderen.

   

Veröffentlichung u.a.: 
Neue Medien im Arbeitsalltag. Empirische Befunde – Gestaltungskonzepte – Theoretische Perspektiven, Wiesbaden (2001): Westdeutscher Verlag (zusammen mit Annette Henninger & Frank Kleemann) 
Bringing subjectivity back in – Notwendige Ergänzungen zum Konzept des Arbeitskraftunternehmers. In: Hans J. Pongratz/ G. Günter Voß (Hg.), Typisch Arbeitskraftunternehmer? Berlin (2004): edition sigma, S. 115 -138 (mit Frank Kleemann & Cornelia Brinkhoff)

 

 

 

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