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Einstellung und (Weiter-)Beschäftigung Älterer (EBA). Maßnahmen für ältere Beschäftigte am Beispiel von Betrieben der Chemischen Industrie. Kooperation IAB & HdBA, 2015-2017

Projektleitung
Prof. Dr. Lutz Bellmann, Dr. Ute Leber (IAB); Prof. Dr. Peter Guggemos, Prof. Dr. Sebastian Brandl (HdBA)

  

Projektmitarbeiter
Dr. Ingo Matuschek

  

Drittmittelgeber
Hans-Böckler-Stiftung, Projektnummer: 2014-800-3

  

Zielsetzungen & Kontext
Das Vorhaben zielt darauf, die Lücke zwischen dem von hohem Problembewusstsein geprägten Diskurs zum Demografischen Wandel (DW) und zur Fachkräftesicherung und den in verschiedenen Studien immer wieder bestätigten nur geringen betrieblichen Aktivitäten für ältere Beschäftigte mittels empirischer Analysen zu schließen. Es sollen die Probleme, mit denen sich die Betriebe konfrontiert sehen, wenn sie entsprechende Maßnahmen für Ältere (Bildungsmaßnahmen, Gesundheit, Arbeitsplätze für Leistungsgewandelte u.a.m.) ergreifen oder Ältere (50plus) einstellen wollen, offen gelegt werden.
Zu hinterfragen ist, inwiefern bei der deutlichen Zunahme Älterer in den Betrieben die in der Literatur genannten Implementationsbarrieren bei Maßnahmen für Ältere weiterhin gültig sind, ob neue hinzugekommen sind, oder ob die Betriebe andere, bisher nicht erfasste Strategien des Umgangs mit älter werdenden Beschäftigten praktizieren. Anzunehmen ist aber auch, dass die Lücke zwischen der öffentlichen Zustimmung zum Paradigmenwechsel pro verlängerter Erwerbsbiografien und den tatsächlichen betrieblichen Orientierungen weiterhin besteht. Das würde bedeuten, dass trotz der durchschnittlich zu beobachtenden Alterung der Belegschaften eine Orientierung auf frühe Erwerbsarbeitsausstiege und klassische Rekrutierungsstrategien vorherrscht und Maßnahmen für Ältere als nicht notwendig eingeschätzt werden. Anzunehmen ist auch, dass sich nach erfolgten Erstmaßnahmen wie Altersstrukturanalysen keine eigenständige Dynamik im betrieblichen Altersmanagement entfaltet hat. Die Barrieren hierfür wären zu erheben.

  

Branchenauswahl
Die Problemstellung dürfte in den Branchen am virulentesten sein, wo bereits Aktivitäten zur Bewältigung des DW zu verzeichnen sind. Die Geltung von Demografietarifverträgen, Aktivitäten der Sozialpartner und Modellprojekte verweisen auf eine entsprechende Sensibilisierung der arbeitspolitischen Akteure und legen einen branchenbezogenen Forschungsansatz nahe. Die Chemiebranche ist für die exemplarische Klärung der o. g. Fragen besonders geeignet: Die angedeutete, mögliche Ambivalenz in der betrieblichen Gestaltung des DW ist in der Chemiebranche in der Umsetzung der Tarifverträge Lebensphasengerechte Arbeitszeitgestaltung (Nordost) und Lebensarbeitszeit und Demografie (bundesweit) angelegt. Darin sind auch Regelungen für die Finanzierung eines vorzeitigen Übergangs in die Altersrente enthalten.

  

Methoden
Die Untersuchungen folgen einem zweistufigen Ansatz. Im ersten qualitativen Schritt werden Experteninterviews mit Betriebsräten sowie Personal- und Fachverantwortlichen in Ost- und Westdeutschland durchgeführt. Deren besondere Rolle bei der Einleitung und Durchführung von Maßnahmen für Ältere ergibt sich aus der Frage, ob und wie die Abkehr vom Frühverrentungsparadigma in den Betrieben umgesetzt wird. Untersucht werden sollen nicht nur Betriebe, die sich offenkundig einer alterssensiblen Beschäftigungsstrategie verpflichtet fühlen, sondern auch solche, die über erste Ansätze bisher nicht hinauskamen. In einem zweiten Schritt werden die Ergebnisse der qualitativen Erhebungen als Grundlage für eine standardisierte Betriebsbefragung verwendet. Zielsetzung ist es einen repräsentativen Überblick über die ausgewählte Branche zu erreichen.

Präsentation der Projektergebnisse

 

Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie

Auf dem 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie vom 26. September bis zum 30. September 2016 in Bamberg werden Prof. Sebastian Brandl und Dr. Ingo Matuschek im Rahmen der ad-hoc Veranstaltung ‚Nachhaltige Arbeit? Gesellschaftliche Naturverhältnisse, subjektivierte Arbeit und sozial-ökologische Transformationsdiskurse‘ referieren. Das geschieht im Rückgriff auf Ergebnisse des gemeinsam mit Prof. Guggemos in Kooperation mit dem IAB aktuell durchgeführten HdBA-Projekts „Einstellung und (Weiter-) Beschäftigung Älterer -  Maßnahmen für ältere Beschäftigte am Beispiel der Chemischen Industrie - EBA“.

Der Beitrag zielt darauf, die zunehmende Tendenz zur Selbstoptimierung zum Erhalt der Arbeits- und Leistungsfähigkeit inklusive entsprechender betrieblicher Angebote zu hinterfragen und auf die Auswirkungen auf die ‚Ware Arbeitskraft‘ zu bilanzieren. Fokussiert werden Attraktivität wie Grenzen gesundheitsbezogener Personalarbeit, die interessenpolitische Bedeutung und eine allgemeine soziologische Einordnung des Phänomens.

 
Die Präsentation wird in Kürze hier veröffentlicht.

  

 

Sitzung des ‚Fachkreises Demografie (TIK 30,40,50plus – Älterwerden in Beschäftigung‘) 

Im Rahmen der ‚Initiative Neue Qualität der Arbeit‘ stellte Prof. Peter Guggemos (HdBA) anlässlich der 24. Sitzung des ‚Fachkreises Demografie (TIK 30,40,50plus – Älterwerden in Beschäftigung‘) in den Räumen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Berlin ausgewählte Ergebnisse des gemeinsam mit Prof. Sebastian Brandl und Dr. Ingo Matuschek  in Kooperation mit dem IAB aktuell durchgeführten HdBA-Projekts "Einstellung und (Weiter-) Beschäftigung Älterer -  Maßnahmen für ältere Beschäftigte am Beispiel der Chemischen Industrie - EBA" vor.

Hohes Interesse fanden Befunde, die eine eher auf Einzelfälle bezogene Problemorientierung der Betriebe und ein eher handgestricktes Altersmanagement jenseits elaborierter systemischer Ansätze widerspiegeln. Sie wurden als "Ernüchterung durch die Praxis" gewertet und verweisen damit auf die außerordentliche Bedeutung von Projekten, die wie EBA u.a. mit den Mitteln qualitativer Sozialforschung tiefgehende Einblicke in die Arbeitswelt gewinnen.

 
Die Präsentation zu den Ergebnisse der qualitativen Betriebsbefragung wird in Kürze hier veröffentlicht.