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Berufliche Beratung im "Dritten Alter" - ein deutsch-polnisches Projekt

Studierende der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA) und der Jan Duglosz Universität

in Czestochowa (AJD), Polen, befassen sich in einem Forschungsprojekt mit dem Thema "Berufliche Beratung von Menschen im 3. Alter" und suchen nach neuen Ansätzen und Lösungsstrategien zur Entwicklung spezifischer Beratungsangebote.

Im Zuge der demografischen Entwicklung gewinnt die Integration älterer Menschen in Beruf und Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. Dieser Wandel stellt insbesondere die Berufsberatung vor neue Herausforderungen.

Im Jahre 2004 gaben OECD und Europäische Kommission in ihrem Berufsberatungshandbuch für politische Verantwortliche Anstöße zur Entwicklung einer Berufsberatung für Ältere.

Vor allem ging es dabei um flexible Übergänge von der Vollzeitarbeit in den „Vollzeitruhestand“. Auch wurde kritisiert, dass Menschen im Dritten Alter in das gesellschaftliche Leben, speziell in Bezug auf berufliche Beratung und verwandte Lebensbereiche, nicht ausreichend integriert werden.

Als Zielgruppe gelten Personen, kurz vor dem oder bereits im Ruhestand. Berufliche Beratung soll in diesem Zusammenhang nicht nur darauf abzielen, Menschen in Arbeit zu vermitteln, sondern sie umfassend über Gestaltungsmöglichkeiten im Alter zu beraten. Dabei spielen zum einen berufsbezogene Themen, wie Ausübung eines Ehrenamts, Weiterbildungsmöglichkeiten, Nebenbeschäftigungen, Selbständigkeit oder die Tätigkeit als "Senior Consultant" eine Rolle. Zum anderen werden angrenzende Lebensbereiche zur aktiven und gesunden Lebensgestaltung thematisiert.

In diesem Kontext sollen beispielsweise Fragen zu Work-Life-Balance in Ver-bindung mit Gesundheit und Pflege beantwortet werden. Diese Hinweise und besonders die Initiativen im vergangenen europäischen Jahr für Aktives Altern bilden die Grundlage für ein Projekt an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA) in Kooperation mit ihrer Partnerhochschule, der Jan Długosz Universität (AJD) in Częstochowa, Polen.

Geleitet wird das Projekt auf Seiten der HdBA von Prof. Dr. Bernd-Joachim Ertelt und Prorektor Prof. Dr. Michael Scharpf, unterstützt von Dipl. Soziologin Julia Panzer. Verantwortlich auf polnischer Seite ist die Rektorin der Universität des Dritten Alters an der AJD, Dr. Joanna Górna.


Im Rahmen des Projekts werden insgesamt neun Bachelor-Arbeiten verfasst: Vier Studierende der HdBA befassen sich mit den Themen:

Betrachtung der Zielgruppe und Rahmenbedingungen sowie einer Erhebung von Beratungsbedarfen, berufsbezogenen Interessen und selbsteingeschätzten überfachlichen Kompetenzen von Älteren.

Bisher wurden hierzu insgesamt 500 schriftliche Befragungen an verschiedenen Bildungseinrichtungen in Deutschland durchgeführt. Dazu zählen Universitäten mit Studienangeboten für Senioren, Volkshochschulen und weitere Institutionen. Dabei zeigte sich ein erstaunlich hohes Interesse an der Thematik, was auch in Einladungen zur Präsentation und Diskussion der Ergebnisse nach Abschluss des Projekts mündete.


Parallel behandeln fünf Studierende an der AJD die gleichen Fragestellungen im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit. Hierdurch ergeben sich interessante Vergleiche und Synergie-Effekte bei der Entwicklung spezifischer Beratungsangebote, was in unseren Augen einen Beitrag auf europäischer Ebene bedeutet. Diese Motivation spiegelte sich auch in dem ersten Projekttreffen Mitte März an der AJD Częstochowa wider, bei dem ein reger Erfahrungsaustausch nicht nur zwischen den Studierenden sondern auch mit der Dekanin der Pädagogischen Fakultät, Prof. Dr. Grażyna Rygał und dem Rektor der AJD, Prof. Dr. Zygmunt Bąk, stattfand.

Ein sehr informatives Seminar zur Auswertungsmethodik, geleitet von Dr. Dr. Czeslaw Noworol, Jagiellonian Universität Kraków, rundete den intensiven Workshop in Polen ab.

Am 8. und 9. Mai 2014 veranstaltet die Universität des Dritten Alters an der AJD unter der Schirmherrschaft des Rektors der AJD, des Rektors der HdBA und des Präsidenten (Oberbürgermeisters) von Częstochowa eine internationale Konferenz zu unserem gemeinsamen Projekt. Anschließend kommen die polnischen Studierenden zum 2. Projektseminar nach Mannheim.

Eine besondere Herausforderung und Motivation für uns, sich weiter mit der Thematik zu beschäftigen, ist auch die Mitarbeit an der geplanten deutsch-polnischen Publikation zur beruflichen Beratung Älterer.

 

Bericht von:
Stephanie Thalhammer, Caroline Tittel, Andrea Wunderlich
(Studierende der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit)

 
Kontakt für Rückfragen:
Dipl. Soz. Julia Panzer
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Hochschule der Bundesagentur für Arbeit Seckenheimer Landstr. 16 68163 Mannheim
Tel. 0621/4209-250
Mail: Julia.Panzer@arbeitsagentur