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Wissenschaftlicher Beitrag zur Lohnlücke zwischen qualifizierten ausländischen und deutschen Vollzeitbeschäftigten

Studie von Prof. Brunow (HdBA) und Oskar Jost (IAB) in Fachzeitschrift veröffentlicht

Wissenschaftlicher Beitrag

Bedingt durch den demographischen Wandel und die zunehmende Verrentung von Fachkräften in den nächsten Jahren, wird eine Einwanderung von 400.000 Personen pro Jahr nach Deutschland gefordert. Insbesondere die Immigration von Fachkräften aus dem Ausland stellt einen zentralen Hebel zur Fachkräftesicherung und zum Erhalt der wirtschaftlichen Leistung der Zukunft dar. Von entscheidender Bedeutung für potenzielle Einwandernde sind dabei die Verdienstaussichten bzw. gute und faire Löhne.

 

Der vorliegende Beitrag widmet sich dem Lohngefälle zwischen qualifizierten Ausländern und einheimischen Arbeitnehmern in Deutschland und wurde von Prof. Dr. Stephan Brunow, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA) in Kooperation mit Oskar Jost vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) verfasst und ist nun in der international renommierten Fachzeitschrift International Migration Review veröffentlicht. Die Zeitschrift ist auf Platz 15 aller 110 bewerteter sozialwissenschaftlicher Schriftenreihen auf dem Gebiet der Demographie und gilt als Flaggschiff der internationalen Zeitschriften zur Migrationsforschung.

 

Die Autoren zeigen, dass das Lohngefälle zwischen den beiden Gruppen vorwiegend auf Unterschiede in den beobachtbaren Merkmalen zurückgeführt werden können und somit erklärbar sind. Insbesondere die vergleichsweise geringere Arbeitsmarkterfahrung sowie die relativ häufigere Beschäftigung von Personen aus dem Ausland in tendenziell kleineren Firmen erklären niedrigere Löhne der ausländischen Beschäftigten und tragen massiv zur Erklärung der Lohnunterschiede bei. Hervorzuheben ist, dass sich die Studie auf die Gruppe der arbeitsmarktnahen Personen fokussiert (sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte mit beobachtetem Berufsabschluss) und mit etwa 1,3 Millionen Beobachtungen solide Aussagen trifft, die nur schwer widerlegbar sind.

 

Die Autoren schlussfolgern, dass eine gezielte Anwerbung von Personen aus dem Ausland gelingen kann, da Ausländer faire Löhne im Hinblick auf ihre individuellen Merkmale erwarten können und innerhalb der Unternehmen vergleichbare Löhne bekommen. Ein „Lohndumping“ ist bei qualifizierten ausländischen Beschäftigten nicht zu beobachteten.

 

Link zur Studie: https://doi.org/10.1177/01979183211040505

Brunow, Stephan und Oskar Jost (2021): Wages of Skilled Migrant and Native Employees in Germany: New Light on an Old Issue. International Migration Review, online first, 23 Seiten.

 

Angelehnte Studie mit Ergebnissen für die Hauptnationalitätengruppen in Deutschland:

Brunow, Stephan und Oskar Jost (2021): Foreign Vs. German Wage Differentials in Germany: Does the Home Country Matter? Erschienen in: Cochrane, W.; M.P. Cameron; O. Alimi (eds): Labor Markets, Migration, and Mobility: Esseys in Honor of Jacques Poot, Springer/Singapore, 55-76.